Montag, 04. August 2008

Diskussion abgeschlossen:

Freuen Sie Sich trotzdem auf Olympia?

Wenige Tage vor Beginn der pompös inszenierten Olympischen Spiele sorgt der Streit über Pressefreiheit und Internetzensur für neue Spannungen zwischen China und dem Westen. Schon im März hatte Peking mit harschen Reaktionen auf die Unruhen in Tibet Kritik hervorgerufen. Dann kam das Erdbeben in Sichuan, und manche hofften auf einen Wandel, eine dauerhafte Öffnung des Reichs der Mitte. Doch die Gängelung der Reporter, die nun von den Olympischen Spielen berichten wollen, lässt daran Zweifel aufkommen. Freuen Sie sich trotz allem auf das Ereignis?

Beiträge

05.08.2008 | 20:53 Uhr

Christiane Weingarten: Spieglein, Spieglein...

Von Vorfreude auf die Olympischen Spiele kann wohl keine Rede sein, wohl einzig Neugierde auf die Selbstinszenierung - um nicht zu sagen Propaganda - Chinas, auf die anscheinend selbst F.A.Z.-Leser reinzufallen scheinen ( Zitat: "daß China sich von einer Seite zeigen darf, die von uns vollkommen ignoriert wird").

Einzig die TV-Übertragung der Eröffnungsfeier wie die der Olympischen Spiele selbst als Spiegel des "wahren" und "authentischen" China anzusehen, ist das wohl größte Armutszeugnis, das der chinesischen Realität wohl je bescheinigt wurde.

Nur allzu gut, daß das IOC gerade sein Weiteres in Sachen Selbstbeschränkung der Pressefreiheit dazu getan hat, damit wir in den nächsten Tagen und Wochen auch wirklich einen absolut authentischen Einblick von China genießen dürfen!

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05.08.2008 | 19:44 Uhr

stefan man: Langsam wird's genug

So langsam ist es aber genug... Ich freue mich, dass im F.A.Z.-Forum viele Teilnehmer vom simplen unfundierten Panda-Bashing abgehen und sich dem Thema neutraler und kritischer annehmen. Es wurde schon so viel gesagt und so viel gespalten. Die sog. ''Jubelperser'' und ''Pandabasher'', beide Lager polarisieren extrem.

Die meisten sind nur halb informiert oder meinen, China (durch die eher negative Medienberichterstattung) ganz genau zu kennen. Ich freue mich über die Spiele (die schon immer nach dem Motto ''bigger is better'' veranstaltet wurden, es war immer eine Selbstinszenierung des Gastgebers und immer wurden sie politisiert). Was mich stört, sind Menschen die ''moral hijacking'' betreiben, nach dem Motto: Jeder, der schaut, hat Blut an den Händen. Das ist Unfug. Jeder kann schauen oder nicht schauen und basta. Ich möchte mich nicht vor einen ideologischen Karren spannen lassen, das ist unter aller Kanone. Mit meiner Familie und meinen Freunden werde ich dabei sein.

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05.08.2008 | 18:14 Uhr

Josef Hausner: Genießt die Spiele

Die Kommentare deutscher Miesepeter zu lesen ist peinlich. Denn wie heißt es so schön: Ein jeder kehre zuerst vor seiner eigenen Haustür!

Nach einer aktuellen Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung glaubt bereits jeder dritte Deutsche, dass die Demokratie die Probleme unseres Landes nicht mehr lösen kann. Im Osten sind es sogar mehr als 50 Prozent. Fast jeder Zweite kann sich vorstellen, bei der kommenden Bundestagswahl nicht abzustimmen. In China dagegen sind mehr als 80 % der Bevölkerung mit der Leistung ihrer Regierung zufrieden. Langjährige hohe Wachstumsraten haben zu einer grundlegenden Verbesserung der Lebensverhältnisse hunderter Millionen von Menschen geführt. Dabei sind die Probleme, dieses Riesenland zu modernisieren unvorstellbar. Die bis heute andauernden Schwierigkeiten bei der Integration der DDR sollten uns eigentlich sensibel machen für diese Herkulesaufgabe. Jedenfalls stimmt die Mehrheit der Chinesen dem eingeschlagenen Weg zu; denn er hat ihnen Fortschritt gebracht. China muss nicht am deutschen Wesen genesen; es findet seinen eigenen Weg. Wollen wir ein offeneres China, dann helfen Arroganz und Feindseligkeit nicht weiter; stattdessen brauchen wir Besonnenheit, Weitblick und Toleranz - offenbar keine deutschen Tugenden. Daher die Empfehlung: Cool down, entspannt euch; neidet den Chinesen nicht ihren mühsam erarbeiteten Fortschritt, gönnt ihnen ihre Spiele, genießt die atemberaubende Kulisse und freut euch auf spannende Wettkämpfe.

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06.08.2008 | 16:39 Uhr
stefan man schreibt: Wahre Worte

Ich stimme ihnen da ganz zu. Danke für den Beitrag.



05.08.2008 | 17:04 Uhr

Christoph Wahl: Es nervt

Was mich angeht, ich freue mich auf die olympischen Spiele. Ich freue mich auf Sport, Inszenierung, und auch darauf, daß China sich von einer Seite zeigen darf, die bei uns derzeit vollkommen ignoriert wird.

Ich bedauere, daß ich während der olympischen Spiele nicht persönlich die Gastfreundschaft von Freunden und Menschen genießen kann, die stolz auf die Leistung ihres Landes sind. Menschen, die sich aus freien Stücken an der Umsetzung dieser Aufgabe beteiligen.

Ich wünsche mir von den Journalisten vor Ort, daß sie wenigstens den Versuch unternehmen, die Chinesen zu verstehen, die positiven und die negativen Punkte zu registrieren, und verantwortlich damit umzugehen. Lernen Sie die Welt ein paar Tage mit den Augen eines Chinesen zu betrachten. Sie werden staunen.

Und sie werden lernen, daß Änderungen in China nicht durch westliche Besserwisserei zu erreichen sind, sondern nur durch viel Geduld und Werben für die eigene Position. Wer dies berücksichtigt erwirbt Ansehen und Einfluß.

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05.08.2008 | 18:14 Uhr
anemone liermann schreibt: Differenziert betrachten!

Hallo Christoph,

anders als du bin auch ich ein gegner der olympischen spiele in china und werde sie boykottieren. wohl gemerkt ein gegner der olympischen spiele in china. ich bin kein gegner der chinesen oder der olympiade als solcher. natürlich nicht. diese spiele aber werden von der chinesischen regierung dazu mißbraucht, eine einzige farce zu veranstalten. das volk wird durch pressezensur, folter (-androhung), todesstrafe und dergleichen eingeschüchtert, manipuliert und entmündigt. meiner ansicht nach darf das IOC nie wieder spiele in ein land vergeben, das die menschenrechte so extrem ignoriert , wie china das tut. bei allem respekt vor der tausende jahre alten kultur der chinesen: die derzeitige regierung tritt selbige mit füßen. da nützt auch kein verklärter blick auf die tolle (aber zu welchem preis erkaufte?) wirtschaftliche performance der letzten jahre.



05.08.2008 | 16:10 Uhr

J. Germer: Die Anti-Olympia-Mode langweilt

Jetzt kommt Olympia, und alle haben was an China rumzumeckern, was evt. auch begründet sein mag. Es ist jedoch interessant, dass wir von unseren Politikern und Sportbossen was verlangen, was wir selber nicht leisten: Zu zeigen, dass man mit dem politischen System Chinas nicht einverstanden ist.

Beim nächsten Kindergeburtstag, Computerkauf oder Investment kann ja jeder seine Meinung durch Produktboykott kundtun und gleichzeitig unsere Arbeitsplätze sichern. Macht aber kaum jemand, geht dann ja an die eigene Tasche. Deswegen ist die Anti-Olympia-Mode langweilig und nervig. Würde ich Leistungssport toll finden, würde ich mich auch über Olympia freuen.

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05.08.2008 | 13:44 Uhr

John Gehlen: Wer dieses Ereignis unterstützt, macht sich mitschuldig

Jeder, ob Politiker, Funktionär, Sportler oder Berichterstatter, der dieses Ereignis durch sein Dabeitun unterstützt, macht sich mitschuldig an den Verbrechen wider die Menschenrechte, wie sie in China an der Tagesordnung sind.

"Die Marketingabteilung des IOC meldet schon jetzt neue Rekordumsätze".
Hierin liegt der Hauptgrund dafür, dass o.g. Spezies bei diesem verlogenen Spektakel mitmachen.

Wer die "olympische Idee" mit der Realität von Peking 2008 vergleicht, erkennt, dass die zynische Doppelmoral in unserer kapitalistischen Gesellschaft immer unerträglicher wird.

Ich bin ein großer Sportfan, doch ich werde diese Spiele in jeglicher Hinsicht boykottieren.

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05.08.2008 | 23:52 Uhr
xia liao schreibt: blabla

d.h. ARD ist schuldig, ZDF ist schuldig, und und und.


05.08.2008 | 16:17 Uhr
Shen li schreibt: Nach dieser Logik muss man nicht mehr leben

Wenn Sie Auto fahren, machen Sie sich mitschuldig für Umweltverschmutzung. Wenn Sie importierte Waren aus Entwicklungsländern kaufen, machen Sie sich mitschuldig für Hungerlohn vor Ort. Wenn Sie dick sind, machen Sie sich mitschuldig, dass Afrikaner verhungert sind.



05.08.2008 | 13:14 Uhr

Thomas Rastig: Kritische Vorfreude

Vorfreude baut sich bei all den Ereignissen im Vorfeld der Spiele nur sehr schwer auf. Man kann als Zuschauer unmöglich wissen, welche Sportler sauber und fair an den Start gehen, stellt also unbewusst alle unter den berühmten Generalverdacht.

Ein IOC, das handlungsunfähig wirkt, weil es sich Sponsoren unterwerfen will oder muss, machen auch nicht gerade Lust auf die Spiele. Und nun kann man sich nicht mal sicher sein, inwiefern man alle Bilder der Spiele zu sehen bekommt, weil den Chinesen plötzlich einfällt, dass sie pressefreiheit doch doof finden. Wegschauen und ignorieren kann aber auch nicht die Lösung sein. Oft hilft auch ein geschärfter und kritischer Blick, um einen kleinen Hoffnungschimmer am Horizont aufblitzen zu sehen.

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05.08.2008 | 13:08 Uhr

R. Clemens: Politischer Spielball!

Ich empfehle, zukünftig die olympischen Spiele auf neutralem Gebiet auszutragen:
In der Arktis, auf hoher See oder am besten auf dem Mond!

Olympia wird schon seit mehr als einem Jahrhundert als politischer Spielball benutzt. Schon 1936 war es in Berlin nicht besonders um die Menschenrechte bestellt. 1968, 1972 und 1976 blieben einige afrikanische Staaten den Spielen fern. 1980 und 1984 boykottierten sich die USA und die Sowjetunion gegenseitig. Es gab Bombenattentate und Geiselnahmen sowie politische Gesten auf dem Siegerpodest.

Dass in vielen Ländern es mit den Menschenrechten nicht so genau genommen wird, sollte doch jeder wissen. Selbst Deuschland wurde hierfür in den letzten Jahren schon mal eine schlechte Note verliehen!

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Jörg Ulrich Hahn05.08.2008 | 14:53 Uhr
Jörg Ulrich Hahn schreibt: Neutral oder einträglich?

IOC-Präsident Rogge hat in einem Interview den Vorschlag, die Spiele wie zu antiken Zeiten alle vier Jahre an demselben Ort auszurichten, zurückgewiesen. Seine beiden Argumente: das IOC könnte dann nicht genug Geld erwirtschaften; und die Journalisten fänden es langweilig, immer wieder denselben Schauplatz zu erleben. Ihm geht also gar nicht um die Wettbewerbe, sondern ums Geld und um die Medien.



05.08.2008 | 12:56 Uhr

Peter Meier: Ich freue mich nicht!

Olympia - alle 4 Jahre werden für mehrere Milliarden Euro Sportstätten gebaut, die 10 Jahre später anfangen zu verrotten; das IOC gibt Ländern die Gelegenheit, goldene Fassaden vor Gitterstäben und Wellblechhütten zu errichten; und das alles nur, damit man zwischen riesigen Coca-Cola-Werbetafeln gedopten Afrikanern beim Wettlauf, testosteronschnurrbärtigen Bulgarinnen beim Gewichtheben und übergewichtigen Deutschen beim Pistolenschießen zuschauen kann. Danke, ich verbringe meine Zeit lieber mit etwas anderem, solange sich daran nicht was ändert.

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05.08.2008 | 12:25 Uhr

J.-R. Müller-Wachtendonk: Den Sportlern zuliebe

Für mich als Sportler waren die Olympischen Spiele immer das große (leider unerreichte) Ziel, und ich habe von kleinauf so viel wie möglich davon aufgesogen. Ich freue mich für die Sportler, die mit legalen Mitteln nach Peking gekommen sind, und werde sie anfeuern, so gut es geht (und die Zeitverschiebung es zulässt).

Was in China passiert, musste allen klar sein, die auch nur China auf dem Globus finden können. Es wird manipuliert wo es nur geht, die Wahrheit wird ausgeblendet, Kritik wird notfalls mit Gewalt unterdrückt. Das darf niemanden überraschen.

Doch nicht die Chinesen sind das eigentliche Übel, sondern das IOC, allen voran Jacques Rogge, der sich mit Joseph Blatter mittlerweile ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel des rücksichtslosesten, opportunistischsten, unfähigsten Sportfunktionärs der Welt liefert. Sowohl FIFA als auch IOC sind daran schuld, dass meine generelle Lust auf Sport rapide abgenommen hat.

Einzig den Athleten, die sich abmühen, gehört meine Sympathie!

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05.08.2008 | 12:06 Uhr

joachim bovier: Olympia absagen!

Wer ist so blind, die Augen vor der Wahrheit des grausigen Regimes der roten Diktatoren in Peking zu verschließen, und sich allen Ernstes noch auf Olympia zu freuen? Das schaffen nur betriebsblinde, opportunistische Sportfunktionäre wie Herr Rogge, Herr Bach und Herr Tröger, die der olympischen Idee mit ihrem erbärmlichen Koutau einen Bärendienst erweisen.

Statt Olympia abzusagen, wollen die Herren ganz als Vasallen der Chinesen ja lieber den Sportler die mit ihrem Verhalten vorschreiben und das Recht auf freie Meinungsäußerung versagen. Der Wertekanon unseres Grundgesetzes scheint ihnen fremd zu sein. Sie schaden dem Ansehen unseres Landes und sollten sofort zurücktreten. Wenn der DOSB dieses Zeichen nicht setzt, gehören die Herren allesamt abgewählt. Da gehts dann einmal nicht um Gesichtswahrung der Chinesen, dafür aber um unser eigenes als Deutsche in der Welt. Das sind wir Freiheit, Demokratie und Rechtsstaat schuldig.

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05.08.2008 | 15:45 Uhr
joachim bovier schreibt: Auch das Fernsehen trägt Mitschuld

Da haben Sie sicher Recht, wenn Sie darauf hinweisen, dass Kinder nicht NUR in China brutal auf Leistung getrimmt werden - das ist eine der Fragwürdigkeiten des Sports überhaupt.

Die Wahrheit über den Charakter des chinesischen Regimes beim Namen zu nennen, kommt m.E. auch nicht einem "Schimpfen auf die Chinesen" gleich, sondern es dient vielmehr den dort gepeinigten Menschen. Mir kann niemals jemand weismachen, dass die nicht nach Freiheit, Demokratie und Recht lechtzen, getreu dem 1774 von John Adams, einem der Gründungsväter der amerikanischen Verfassung, geprägten Motto "Give us Liberty or give us Death".

In diesem Sinne unsere Stimme zu erheben ist geradezu unsere moralische Pflicht.

Neben IOC und DOSB könnte natürlich auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen dazu einen Beitrag leisten, indem es die Berichterstattung von der Olympiade einstellt oder auf reine Ergebnisverkündigung beschränkt, anstatt sich zum Handlanger zur Verbreitung der chinesischen Propagandashow zu machen.


Peter Sturm05.08.2008 | 14:14 Uhr
Peter Sturm schreibt:

Wer ist so blind, fragen Sie. Und Sie vermuten, dass das nur auf unselige Sportfunktionäre zutrifft. Unser eifrigster Mitdiskutierer bringt es diesbezüglich aber auch ziemlich weit. Er weiß genau, dass in China Kinder nicht brutal auf Leistung getrimmt werden. Und für die Luftverschmutzung können die Chinesen auch nur vielleicht etwas. Vor allem aber dürfen wir nicht auf sie schimpfen. Das von Ihnen konstatierte Phänomen ist also nicht auf Amtsträger beschränkt.



05.08.2008 | 12:01 Uhr

Wei Wang: Offener Brief an die deutsche Olympia-Mannschaft

Liebe Athleten der deutschen Olympia-Mannschaft,

Ich freue mich dass Ihr als Vertreter Deutschlands zur Olympia fahren werdet und heiße Euch wie Millionen meiner Landsleute ganz herzlich willkommen bei uns in Beijing!

Ehrlich gesagt ist den Chinesen zur Zeit eigentlich nicht zur großen Feier zumute - ich denke an die riesigen Probleme im chinesischen Transformationsprozess, die durch grandiose Spiele weder überwunden noch übertüncht werden können; und wir trauern immer noch um die zigtausende Mitmenschen, die der jüngsten Erdbebenkatastrophe zur Opfer gefallen sind.

Trotz allem: das gastfreundliche Volk (nicht ohne Grund beginnt das "Analectics" von Konfuzius mit dem Satz: "Ist es nicht ein Grund zur Freude, wenn Freunde von der Ferne zum Besuch kommen?"!) hat sich zusammengerissen und gibt sich alle Mühe, Sportlern aus aller Welt eine friedliche und wunderschöne Bühne zur Darbietung Ihrer sportlichen Leistungen zu bieten und freut sich vom ganzen Herzen auf Euer Kommen.

Auch ich werde mit meinem fünfjährigen Sohn die Spiele besuchen und Sportler aller Länder anfeuern, weil gerade die Kinder, denen die Zukunft gehört, den olympischen Geist im Sinne von sportlichem Fairness und Völkerverständigung leben sollen.

Insbesondere werden wir Euch "De Guo Dui Jia You!"(Deutsche Mannschaft, gib Gas!") zurufen, weil wir eine besondere Verbundenheit zu dem Land hegen, in dem wir jahrelang gelebt haben!

Ich würde mir auch wünschen, dass wir Euch nicht nur als großartige Athleten, sondern nicht zuletzt als liebeswürdige, vernünftige Menschen mit Herzen, ja als gute Freunde aus der Ferne erleben werden — ich bin mir sicher, dass dies der Fall sein wird, das passt auch perfekt zum Deutschland-Jahr in China, das gegenwärtig unter dem Leitmotto "Deutschland und China — Gemeinsam in Bewegung" läuft und beide Länder noch näher zusammenbringt!

Ich habe auch gehört, dass einige von Euch während der Spiele auf verschiedene Weise gegen Unzulänglichkeiten in der chinesischen Gesellschaft protestieren werden. Ohne Zweifel liegt in China vieles noch im Argen und jedes Engagement, das den Menschen auf dem Weg zu einem besseren und würdigeren Leben hilft, ist begrüßenswert und für Euer gesellschaftliches Engagement kann man nur hohen Respekt und viel Applaus zollen!

Die Menschen werden sich aber fragen, warum Ihr nicht konsequenterweise bei jedem Wettbewerb in den USA Proteste organisiert und Verurteilungen ausgesprochen habt gegen einen verlogenen Irak-Krieg, der mehr als halbe Million Zivilisten auf dem Gewissen hat. Ist das nicht unsportlich und unfair? Sind nicht zu sehr Gutmenschenattitüden, Opportunismus und sogar Doppelmoral im Spiel, wenn man gerade jetzt, als "China-Bashing" den Charakter eines modischen Volkssports angenommen hat, einseitig auf das Olympia-Gastgeberland einschlägt?

Bei aller berechtigten Kritik müsste man die Fortschritte bedenken, die China in den letzten 30 Jahren gemacht hat. Ein Fünftel der Menschheit aus der Armutsfalle zu holen und sich sogar zum Wachstumsmotor der Weltwirtschaft zu mausern, ist ein recht passabler Beitrag--auch für den Weltfrieden und diese Leistung verdient ebenfalls allemal Respekt und Applaus. Auch sind dort Entwicklungsansätze zu einer modernen Zivilgesellschaft unverkennbar und die Menschen arbeiten mit einem bewundernswerten Zukunftsoptimismus sehr hart daran, dass alles noch besser wird!

Vor diesem Hintergrund ist jede konstruktive Kritik und Anregung hoch willkommen, aber mit Zeigefinder und auf Biegen und Brechen erreicht man keine gesellschaftliche Verbesserung in China, im Gegenteil, es führt zu Unverständnis, Trotzaktionen und Entfremdung von freiheitlichen Idealen westlicher Prägung — das kann doch nicht der Effekt sein, den Ihr in China zu erzielen beabsichtigt!

Also: lass uns mit einem Bändchen der Sympathie und des Verständnis für Sportgeist und Völkerfreundschaften werben — dies alles sind universelle Tugenden, die wir für eine bessere, gerechtere Welt brauchen und für die gerade die Sportler als glaubwürdige Botschafter dastehen.

Ich wünsche Euch Allen eine gute Reise nach China und viel viel Erfolg bei der Olympiade - meine Familie und Freunde werden Euch bis zum glücklichen Ausgang fest die Daumen drücken!

Mit besten Grüßen

Euer WANG Wei

Kommentare

05.08.2008 | 23:58 Uhr
Wei Zhang schreibt: Klar, aber diese Sache funktioniert nicht

Aber der Irak-krieg tötet jetzt auch jeder Tag die Iraker und Irakerinnen. Aber Sie, der Westen, bekommt viele Verträge für Öl vom Irak. Demonstration und Austausch der Standpunkte können nicht die Verbrechen im Irak stoppen. Warum? Ihre Diplomaten möchten nicht. Sie möchten den Irak, einen Staat von Öl, ewig kontrollieren für westliche Interessen.

Was ist die von Bush genannte Ursache für den Irak-Krieg? Es gibt dort keine Demokratie. Saddam ist ein Diktator. Hinter der Forderung der Demokratie gibt es zu viele Sachen, die seine eigenen Interessen betreffen. Ehrlich gesagt , das Verhalten ist heuchlerisch. Sie stehen nicht auf dem Hochland der Moralität, und außerdem gibt es immer keine Grenze zwischen verschiedener Gesellschaftssysteme nach unserer Meinung.

Aber es gibt echt zwei Prinzipien für uns, welche Forschritte zu machen. Das erste ist, Wahrheit von der Gegebenheit zu suchen. Das zweite ist, Theorien und Gegebenheit zu verbinden.


05.08.2008 | 19:06 Uhr
stefan man schreibt: @ Gert Tubach

''...Noch nie wurde die olympische Idee - die ohnehin nur noch eine Farce ist - so ins Gegenteil verkehrt und pervertiert!...''

Doch wurde sie. Hierzulande. Leni Riefenstahl hat alles filmisch als zeitloses Dokument festgehalten.


05.08.2008 | 15:22 Uhr
Ursula Priester schreibt: Geschichtliche Verfälschung

Herr Wei zieht hier geschichtliche Vergleiche, die in keinster Weise gemacht werden dürfen: Doch, wir haben gegen BEIDE Irakkriege demonstriert. Wir haben hier in den Medien verfolgen können, wie G.W. Bush gelogen hat, wie Europa überwiegend dagegen hielt, wie Rice, Powell und Rumsfeld gegen das alte Europa wetterten und die French Fries jetzt im Weißen Haus Freedom Fries genannt werden; also wie Argumente und Standpunkte ausgetauscht wurden - und das ohne Verhaftungen von Andersdenkenden, Folter und Zerstörung. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zum heutigen China.

Ja, Fortschritte mögen gemacht worden sein, aber ein großes Polizeiaufgebot, geblockte Informationen, Wegsperren von Dissidenten während den Spielen sowie keinerlei Fortschritte in Tibet sind für mich Argumente, die Spiele nicht anzuschauen.

Warum berichtet die Medienlandschaft nach wie vor von den Spielen, obwohl sie keinen freien Zugang zu allen Informationen hat? Ein Verzicht wäre absolut sinnvoll.


05.08.2008 | 14:16 Uhr
Margret Schlosser schreibt: Gigantische Inszenierung

China will der Welt und den eigenen Leuten zeigen, wie perfekt es ist. Alles erscheint wie geleckt, zumindest in den Fernsehbildern kommt das überwiegend so rüber. Aber das Ganze erscheint eher als gigantische Inszenierung, als Kraftakt zur Vorspiegelung falscher Tatsachen, wenn man die kritische Berichterstattung hinsichtlich der Beschränkung der Medien z.B. bedenkt.

Als schrecklich empfand ich auch die Inszenierung mit dem Olymischen Feuer, die dieses Ritual wohl für längere Zeit entzaubert hat, weil im westlichen Fernsehen halt auch die mit Trainingsanzügen verkleideten Sicherheitsleute gezeigt wurden, wie sie die Fackelläufer abschirmten oder ihnen sogar die Fackel abnahmen. Das alles kommt nicht gut rüber. Und dabei blicken wir ja noch nicht wirklich hinter die Kulissen...


05.08.2008 | 13:16 Uhr
Gert Tubach, OTL a.D. schreibt: "Nett gemeint"?

Auf den ersten Blick hört sich dieser Brief vielleicht "nett gemeint" an, aber die moralische Gleichstellung der U.S.A. und Chinas, bzw. die Gleichstellung der politischen Systeme ist nicht akzeptabel! Erstens braucht China nicht auf den Irak-Krieg zu verweisen - siehe Tibet. Und zweitens ist mir ein ähnliches Vorgehen von "Sicherheitskräften" gegen die eigene Bevölkerung (Uiguren, Studenten etc.) in Amerika nicht bekannt.

Es war ein völliger Aussetzer des IOC, die Spiele an ein diktatorisches, repressives und inhumanes Regierungssystem zu vergeben und auf Öffnung bzw. Fortschritte im Bereich "Menschenrechte" zu hoffen. Hier stehen wohl wirtschaftliche Interessen im Vordergrund.

Noch nie wurde die olympische Idee - die ohnehin nur noch eine Farce ist - so ins Gegenteil verkehrt und pervertiert!

Ich kann nur hoffen, dass die Sportler jede Gelegenheit nutzen, gegen ihren Missbrauch zu protestieren und werde die Berichterstattung über diese Spiele ignorieren.


05.08.2008 | 12:30 Uhr
Jutta Hamberger schreibt: Nett gemeint

Es gibt ein paar grundlegende Unterschiede zwischen China und Amerika. Und man kann die permanente Dauer-Unterdrückung, die Beschneidung jeglicher politischer Freiheiten, die nicht existente Freiheit der Medien und des Glaubens und die Reppressalien gegen Andersdenkende in China kaum mit einem in der Tat falschen Krieg wie dem Irak-Krieg vergleichen. Der Vergleich hinkt gewaltig.

Nun kann man natürlich sagen, das alles hätte man vorher wissen können. Richtig. Das IOC hat sich leider nicht darum geschert und die Spiele dennoch nach Peking vergeben.

Ich für meinen Teil empfinde überhaupt keine Vorfreude mehr und werde mir wohl nichts anschauen. Gastfreundlichkeit hin oder her. Für mich haben diese Spiele einen bitteren Geschmack bekommen.



05.08.2008 | 11:59 Uhr

Holger Kästner: Die Spiele ignorieren!

Es fällt wirklich schwer, sich auf Olympische Spiele überhaupt zu freuen, denn diese werden durch senile und mutmaßlich minderbegabte Funktionäre und Doping dominiert. Nun kommt auch noch die Diskussion um den Standort hinzu, und auch das ist kein unendlicher Quell der Freude.

Das politische System des Landes zeigt dem IOC nun ganz klar die Grenzen auf, und es werden Spiele, die bezüglich der Überwachung George Orwell Visionen des Überwachungsstaates in Nichts nachstehen. Weiterhin finden die Wettbewerbe unter Bedingungen (Luftverschmutzung) statt, die den Athleten nicht hätten zugemutet werden dürfen, wie erst heute wieder aus Peking berichtet wurde.

Ich werde die Spiele ignorieren und hoffe, dass sehr viele Menschen folgen werden.

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05.08.2008 | 12:13 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: Bezüglich der Luftverschmutzung gebe ich Ihnen Recht...

...und meine, man sollte künftige Olympische Spiele in der freien Natur, fern von jeglicher Großstadt stattfinden lassen. Aber wie bringt man das dem opympischen Komitee bei?
Und warum hackt man nun auf den Chinesen herum? Die können doch nichts dafür, dass das Komitee auf diese Einzelheiten nicht geachtet hat. Sie bemühen sich aber, die Luftverschmutzung in erträglichen Grenzen zu halten.



05.08.2008 | 11:58 Uhr

Claus Bitten: Worauf denn freuen?

Die Frage ist doch: Worauf kann ich mich bei Olympia noch freuen? Perfekt inszenierte Bilder? Das können Diktaturen i.d.R. gut. Ein danach "besseres" China? Die Chancen dafür sehe ich nicht. Das nur die besten Doper gewinnen werden? Das wohl nur das Höher-Schneller-Weiter zählen wird?

Natürlich gibt es viele saubere Sportler, aber es ist doch naiv zu glauben, dass nur der Bessere gewinnen wird. Was ist denn mit Kindern, welche z.B. in einem Land wie China gnadenlos und brutal auf Erfolg getrimmt werden? Durch die Eltern? Das wäre in Deutschland z.B. schlicht kriminell.

Gleiche Chancen für alle Sportler - das wäre mal was. Das bedeutet aber auch eine lückenlose Überwachung. Das aber ist teuer und wohl auch nicht wirklich gewollt.
China wird sich sicher toll präsentieren, die Kritik z.B. der EU wird klein bleiben (wegen der Wirtschaft), und somit wird ein brutales Regime weiter die Vorteile des Kapitalismus für Wenige mit den Druckmitteln einer Diktatur gegen Viele perfekt ausspielen.

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05.08.2008 | 18:58 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: Brutales und gnadenloses Trimmen

Es ist mir erst jetzt klar geworden, dass Sie mit der gnadenlosen und brutalen Trimmung nicht die geistige Trimmung meinten (z.B. zur Erreichung besserer Schulnoten) sondern die Trimmung in Richtung sportlicher Erfolge. Ich nehme einmal an, dass das Olympische Komitee (OK) nur Kinder eines angegebenen Alters zulässt und dass es Mittel und Wege findet, Kinder, die durch brutale Methoden vor Erreichung dieses Alters getrimmt worden sind, ausschließt. Auch in anderen Ländern mag es solche Trainingsmethoden geben: es wäre für mich außerordentlich interessant, an dieser Stelle (von Ihnen) zu erfahren, wie das OK dieses Problem meistert!


Peter Sturm05.08.2008 | 12:25 Uhr
Peter Sturm schreibt: Nicht nur China

Ihre Bemerkungen zum Regime kann ich nur unterschreiben. Aber Kinder werden nicht nur in Diktaturen zum Leistungssport getrieben. Und was die Medizin an und mit diesen jungen Menschen tut, ist nicht nur in Diktaturen ein Skandal. Das muss bei aller berechtigten Kritik an China klar sein.


05.08.2008 | 12:16 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: Es stimmt nicht...

... daß die Kinder in China von ihren Eltern brutal und gnadenlos auf Erfolg getrimmt werden. Wohl stimmt es, dass chinesische Eltern meistens mehr als europäische Eltern darauf achten, dass ihr Kind rechtzeitig etwas Nützliches lernt. Aber was ist daran verkehrt?



05.08.2008 | 11:47 Uhr

Johann G. Lohmann: Denken Sie positiv!

Ich rate allen Kritikern, den auf dieser Internetseite vorhandenen Beitrag von Professor Dr. Sebastian Heilmann zu lesen.

Leseprobe: "Vom Totalitarismus der Mao-Ära, als Funktionäre und Organisation der Kommunistischen Partei einen totalen Zugriff auf das wirtschaftliche, gesellschaftliche und persönliche Leben ausüben konnten, hat sich die gegenwärtige politische Ordnung weit entfernt."

Zum Beitrag von Sebastian Heilmann: Chinas politisches System im Wandel

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05.08.2008 | 17:41 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: @bovier

Ich stimme Ihnen zu, dass Freiheit, Demokratie und Recht die Messlatte sein sollen. Wenn auf diesen Gebieten Fortschritte erzielt werden, sollten wir loben und nicht dauernd die noch vorhandenen Defizite verteufeln.


Jörg Ulrich Hahn05.08.2008 | 12:34 Uhr
Jörg Ulrich Hahn schreibt: Positiv denken statt positiv testen?

Es fällt in den letzten Tagen auf, dass die derzeitige große Doping-Enthüllungswelle den europäischen Sport ungleich stärker belastet als den asiatischen, den afrikanischen oder den nordamerikanischen. Die Sorge über eine chinesische Doping-Armada am Start der Wettbewerbe in Peking ist damit zwar nicht vom Tisch, doch die Verhältnisse sind wieder zurechtgerückt. Doping ist kein reines Problem des Reichs der Mitte, wie das gerade in Deutschland Fernsehsendungen insinuiert haben. Es ist auch unsinnig, einen Wettbewerb eröffnen zu wollen, wo nun mehr oder weniger betrogen wird. Wichtig ist das Bewusstsein, dass Doping weltweit geächtet und verfolgt werden muss. Wenn es eine weltweite Kooperation gibt, spielt es keine zentrale Rolle, aus welchem Land die Rohstoffe kommen und wo sie zu verbotenen Mitteln verarbeitet und verkauft werden. Erwischen muss man sie, die Panscher und Dealer, unabhängig von ihrer Herkunft.


05.08.2008 | 12:11 Uhr
joachim bovier schreibt: Freiheit, Demokratie und Recht

Es ist kann ja wohl keine Entschuldigung für ein grausames menschenverachtendes System sein, dass es in der Geschichte Schlimmeres gegeben hat. Mal ganz davon abgesehen, dass schon das bisschen, was wir jetzt über den Umgang in China wissen, jenseits dessen liegt, was wir uns in der freien Welt vorstellen können. Freiheit, Demokratie und Recht müssen die Messlatte unserer Bewertung sein.



05.08.2008 | 11:44 Uhr

Christian Erkelenz: Nein ich freue mich nicht...

... auf die Spiele, aber aus einem völlig anderen Grund: Olympia hat mich noch nie interessiert. Die ganze Hysterie wegen der Menschenrechte in China halte ich hingegen für großteils inzeniert. Auf einmal fällt den Herren der Welt ein, daß es den Tibetern schlecht geht. Auf einmal bemerkt man, daß es keine Pressefreiheit gibt.

Das muss den kritisch denkenden Bürger mißtrauisch machen. Vermutlich wird die chinesische Erklärung recht nah an der Realität liegen: Starke Kräfte in den USA und Europa möchten den Ruf Chrinas in der Welt diskreditieren und zwar um schnöder wirtschaftlich-politischer Vorteile willen. Dazu benutzt man eben die Menschenrechte, weil die gerade so schön "en vogue" sind und sich kaum Journalisten trauen, hinter die Fassade zu blicken. Man will ja nicht als Verteidiger einer Dikatatur dastehen.

Dabei dürfte die exaltierte Kampagne über Tibet oder einige eingeschränkte Websites am Ende genau das Gegenteil bewirken und Volk und Parteiführung zusammenschweißen.

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05.08.2008 | 19:23 Uhr
stefan man schreibt: Edle Absichten

Hallo,

die Beiträge von Herrn Li stimmen. Prof. Dr. Fang Wiegui (akademische Karriere in Deutschland), Soziologe und Historiker, summiert in seiner Forschung, dass es, durch den Umgang Chinas ab der Tibet-Krise, ein noch nie so enges Band zwischen Bevölkerung und KP gab. Dazu kommt die chinesische Diaspora, die sich weltweit brüskiert und denunziert fühlt (viele westliche Bürger mit chinesischen Wurzeln). Manchmal geht die Diskussion so weit, dass sogar von kulturellen Pogromen gesprochen werden kann.

@ Herr Lohmann, ihre Absichten sind sehr edel, aber die Art, wie diese Absichten vertreten werden, und von extrem polarisierenden (auf beiden Seiten) Gruppierungen artikuliert sind, hat dazu geführt, dass es kaum eine größere Kluft zwischen Europa und China gab.

Der Rechtsdialog in China hat seine Wurzeln gegen 1900, also vor dem Kommunismus, auch unter der KMT wurde der Staat vor das individuum gestellt. Entwicklungen müssen aus der chinesischen Gesellschaft kommen, nicht von außen.


05.08.2008 | 12:36 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: @Frankenberger

Ich gehöre nicht zu den starken wirtschaftlichen Kräften und möchte auch nicht den Standort China im hellsten Licht erscheinen lassen. Ich möchte aber dem Volk Chinas Gelegenheit geben, sich in Richtung Freiheit und Selbstbestimmung weiter zu entwickeln. Dazu muss es Zeit haben und auch Hilfe von ausserhalb Chinas bekommen. Ihre Kritik ist leider nicht immer dazu geeignet, dem chinesischen Volk bei dieser Entwicklung zu helfen.


Klaus-Dieter Frankenberger05.08.2008 | 12:16 Uhr
Klaus-Dieter Frankenberger schreibt: Die Volte des Jahres

Starke Kräfte in den Vereinigten Staaten und in Europa wollten Chinas Ruf diskreditieren um schnöder wirtschaftlicher Vorteile willen? Das ist die Volte des Jahres. Genau umgekehrt ist es: Starke wirtschaftliche Kräfte sind im "alten" Westen daran interessiert, den Standort China im hellsten Licht erscheinen zu lassen. Hinweise darauf, dass das chinesische Regime repressiv, ja kommunistisch, ist, mögen diese Kräfte nicht. Sie wollen nur die Sonnenseiten der chinesischen Entwicklung sehen, die Schattenseiten nehmen sie nicht zur Kenntnis, oder sie werden verbrämt. Übrigens wird der amerikanische Präsident an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele teilnehmen. Ist das ein Zeichen für den Willen, China herabzusetzen, oder doch eher für die Absicht, Peking bei diesem Prestigeprojekt Reverenz zu erweisen?

05.08.2008 | 12:31 Uhr
Shen li schreibt: Erpressung?!

Ist das nicht eine Erpressung, gerade wenn sich 1,3 Milliarden Chinesen darauf freuen und ihre Gastfreundschaft der ganzen Welt präsentieren möchten? Die meisten in China oder in der Welt sind einfache Menschen und haben keine Politikwissenschaft studiert. Warum sollen sie westlichen Medien, die jeden Tag aufs Neue ihre Regierung kritisieren, eher glauben als der eigenen Regierung? Was man hier betreibt, hat nur das Gegenteil bewirkt.


05.08.2008 | 12:10 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: Es ist nicht so einfach...

ein solches Land nach "Lasst tausend Blumen blühen", "in jedem Dorf einen Hochofen", "Kulturrevolution" usw. zur "Freiheit" zu führen. Wenn ich diese Aufgabe hätte, würde ich auch nicht gleich am ersten Tage die volle Presse- und Meinungsfreiheit einführen. Deshalb bitte ich die Kritiker, den Chinesen etwas Zeit zu geben und ihre Bemühungen mit Freundschaft und Wohlwollen zu betrachten. Ich sehe aus dem Text Ihres Beitrages, dass Sie das auch so sehen.



05.08.2008 | 11:22 Uhr

wolfgang tellenbach: Was soll es?

Wenn demnächst Olympische Spiele im Iran oder Lybien oder ähnlich stattfinden, dann werden alle nur noch von den schönen Tagen in Peking schwärmen.

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05.08.2008 | 12:09 Uhr
Karl Wilhelm schreibt: Zynismus fehl am Platze

Auf dem Rücken der Olympischen Spiele lässt sich Kritik an einem Land oder seiner Politik sehr effektiv transportieren. Plötzlich finden Themen eine Öffentlichkeit, die unter normalen Bedingungen längst toleriert werden oder Desinteresse auslösen. Vielleicht wären Spiele im Iran hier ganz hilfreich.


05.08.2008 | 11:42 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: Bitte keine Verhetzung

Es wäre schön, wenn Sie, @tellenbach, sich von den Medien nicht gegen China, Iran oder Lybien aufhetzen lassen würden. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung gehört nicht zu den Hetzmedien, deshalb wundert es mich, von einigen FAZ-Redakteuren in dieser Diskussion solche (meines Erachtens hetzerischen) Beiträge lesen zu müssen.



05.08.2008 | 10:53 Uhr

Rüdiger Kimpel: Ambivalenz

Nur das IOC kann doch so naiv sein zu glauben, dass China sich wegen der Olympischen Spiele öffnet. Es musste doch jedem klar sein, dass China sogar das Gegenteil tut: Als machtvolles totalitäres Regime ein vermeintlich perfektes China zu demonstrieren. Hier muss m.E. Härte gezeigt werden.

Es wäre gut, wenn das IOC versucht, hart zu bleiben . Auch sollten die politschen Führer der westlichen Welt nicht an der Eröffnung teilnehmen, um China zu zeigen, dass nicht alles machbar ist.

Auf der anderen Seite sind die Sportler, die sich vier Jahre sich auf dieses Ereignis vorbereitet haben und die ihre faire Chance zu olympischen Höchstleistungen haben sollten.

So may the games begin - aber nicht als potlitsche Machtbühne für China. Ich hoffe, dass die Staatsführungen versuchen, das durchzusetzen.

Kommentare

Jörg Ulrich Hahn05.08.2008 | 12:39 Uhr
Jörg Ulrich Hahn schreibt: Rogges Zaudern

2009 läuft Rogges erste Amtszeit nach acht Jahren ab. Über eine Kandidatur für eine zweite, dann nur noch vierjährige Periode, will er nach Peking entscheiden.
Im Auftritt ungleich bescheidener als sein Vorgänger Samaranch, hat Rogge in der Dopingbekämpfung seine größten Verdienste. Nicht gelungen ist es ihm dagegen, den Ruf des IOC als eine in ihren Entscheidungen undurchsichtige Organisationen zu vertreiben. Gerade die Vergabe der Winterspiele 2014 an die russische Stadt Sotschi weckte Erinnerungen an Skandalzeiten Ende der neunziger Jahre, als sich IOC-Mitglieder als käuflich erwiesen. Kaum nachvollziebar ist, mit welchem Eifer Rogge gegen viele Widerstände seine Idee Olympischer Jugendspiele verfolgt hat, die es nun von 2010 an zusätzlich geben wird. Man hätte ihn sich gerade gegenüber den Chinesen so hartnäckig gewünscht wie bei seinem Lieblingsthema. Doch nun muss Rogge erkennen, dass seine "stille Diplomatie" in wesentlichen Punkten fehlgeschlagen ist.


05.08.2008 | 11:14 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: Härte allein tut es nicht

Natürlich ist China noch nicht perfekt. Es hat sich aber gegenüber dem Zustand von vor 20-30 Jahren sehr "gebessert". Wer glaubt, durch "Härte" eine weitere Verbesserung herbeiführen zu können, irrt. "Freundschaft" bewirkt mehr.



05.08.2008 | 10:42 Uhr

Petra Kolonko: Vom Olympia-Fieber gepackt

Wer in Peking lebt, wird in den letzten Tagen doch vom Olympia-Fieber gepackt. Politik und Smog hin oder her, jetzt fiebern auch die eher unsportlichen Pekinger den Wettkämpfen und besonders der Eröffnungsfeier entgegen. Dabei werden den Pekingern einige Opfer abverlangt.

Der private Autoverkehr ist eingeschränkt, und wer zur Arbeit will, muss sich in überfüllte Busse und U-Bahnen drängen. Dort wiederum gibt es Sicherheitskontrollen. Gepäckstücke und Taschen werden durchsucht, was die Fahrt zur Arbeit noch einmal verlängert. Das Gebiet rund um das Olympische Gelände ist zu meiden, überall Absperrungen und Kontrollen.

Viele Pekinger kommen allerdings dank Olympia auch in den Genuss von Extra-Ferien. In Anbetracht der Verkehrsbeschränkungen haben einige Behörden und Betriebe ihren Angestellten einfach zwei Wochen freigegeben.

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05.08.2008 | 22:06 Uhr
Wei Zhang schreibt: Ja, denn China profitiert

Es gibt ein einfaches Prinzip in der traditionellen Philosophie. Jede Sache hat zwei Seiten, positiv und negativ. Für Beijinger ist die Olympiade auch kein Ausnahme. Inzwischen können wir auch mehr Freundschaft schaffen.

Die ist für uns die wichtigste Sache. Konfuzius hatten vor 2000 Jahren gesagt, wie kann man sich nicht froh fühlen, wenn die Freunde von Fern ankommen. Soweit empfehle ich mit der Mehrheit der Chinesen, dass bei der Olympiade die positve Seite größer als die negative Seite sein sollte.


05.08.2008 | 21:06 Uhr
Christiane Weingarten schreibt: Purer Sarkasmus!

Wenn das bloß die einzigen "Opfer" wären, die die Pekinger dieser Tage zu bringen haben, wäre das wohl kaum der Rede wert.

Aber wissen Sie vielleicht durch Zufall auch etwas von all den anderen hunderten und tausenden Opfern, denen, die ihr Haus durch Zwangsenteignung durch Bebauungen für die Olympiade verloren haben, diejenigen, die wegen eines falschen Wortes in Umerziehungslagern oder im Gefängnis gelandet sind, deren Familien eingeschüchtert, verfolgt und belangt wurden?

Purer Sarkasmus!


05.08.2008 | 12:41 Uhr
Jutta Hamberger schreibt: Und woran bemisst sich das Fieber?

Aus Ihrem Beitrag wird mir nicht recht klar, worin denn nun die Begeisterung und das Olympia-Fieber bestehen: aus Verkehrs-Beschränkungen, Taschenkontrollen und Gedränge?

Ich würde mich so gern freuen, weil mich Olympische Spiele von je her interessieren und für mich Sydney 2000 (ich war dort) ein persönliches Highlight war. Aber das Schauspiel in Peking? Von Tag zu Tag erfüllt es mich mit mehr Unbehagen. Das Bild, das China der Welt von sich zeigt, ist keines, mit dem ich mich anfreunden kann.


05.08.2008 | 12:38 Uhr
Petra Kolonko schreibt: Die Beziehungen vertragen auch Kritik

Die deutsch-chinesischen Beziehungen sind so gut, dass sie auch Kritik vertragen. Das sagen selbst die chinesischen Politiker. Deutschland ist sehr beliebt in China, daran hat sich auch in den letzten Monaten nichts geändert. Die Pekinger Bürger sind echt bemüht, sich in diesen Wochen als gute Gastgeber zu zeigen. Das ist ihnen nicht nur von oben aufgegeben - Gastfreundschaft ist eine gute chinesische Tradition. Zu befürchten ist nur, dass die vielen Sicherheitsmaßnahmen in der Olympiastadt die freundliche Grundstimmung bei der Bevölkerung in Peking überschatten werden.


05.08.2008 | 11:17 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: Lob

Ihr Beitrag unterscheidet sich wohltuend von den vielen Pressebemerkungen, die über die Verfehlungen der chinesischen Behörden berichten und das Positive vernachlässigen. Es wäre schön, wenn Sie aus Ihrer Sicht darstellen würden, was wir (die an einer guten Weiterentwicklung interessierten Deutschen) selbst dazu tun können, um die Beziehungen zwischen China und Deutschland zu verbessern.



05.08.2008 | 10:14 Uhr

Klaus-Dieter Frankenberger: Zu Gast bei Nationalisten?

Sind wir zu Gast bei Freunden? Oder bei Nationalisten, die, als Großmacht in Vergangenheit und Zukunft, der Welt endlich wieder zeigen wollen, wo der chinesische Medaillenhammer hängt?

Sollen sich die Chinesen über ihre mutmaßlich vielen Erfolge freuen oder sich an ihnen berauschen. Ich werde mich über die Erfolge der deutschen Sportler freuen. Die Spiele mögen von dem Regime zu Propagandazwecken missbraucht und zur großen kollektiven Leistungs- und Imponierschau aufgebauscht werden – aber Olympia ist noch immer ein unvergleichliches Sportspektakel. Ich werde dem mit unzähligen Mannschaften antretenden chinesischen Sicherheits- und Unterdrückungsapparat nicht gestatten, mir die Begeisterung dafür zu nehmen. Aufregen werde ich mich so und so – und wenn es mit den Kontrollen zu arg wird, einfach an Sydney erinnern.

China wird von einer Partei regiert, also diktatorisch beherrscht, die sich kommunistisch nennt. Diese Tatsache - wie auch das damit zusammenhängende Maß politischer Unfreiheit und die Willkür in den Provinzen - waren allseits bekannt, als die Olympischen Spiele an Peking vergeben wurden von Sportfunktionären, die in den Disziplinen Anbiederung, Heuchelei und Korruption ziemlich stark sind. Genauso sichtbar waren allerdings damals auch die wirtschaftliche Öffnung und die atemraubende Aufholjagd, welche die Machthaber dem Land mit Erfolg auferlegt haben. Repression und Glitzerwelt, Zensur und wachsender Wohlstand, Empörung und Faszination – es sind diese Gegensatzpaare, die einem bei den Stichworten China und Olympia einfallen.

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05.08.2008 | 22:37 Uhr
Wei Zhang schreibt: Ich stimme Ihnen nicht zu

"Die Chinesen sind empfindlich gegen Kritik und werden es wohl auch immer bleiben" -
Ich stimme nicht Ihnen zu. Unser vorheriger Präsident Mao ZheDong hat eine berühmte Rede gehalten, die lautet so, (wenn die Kritik ins Gesicht kommt) falls es die Wahrheit ist, sollen wir korrigieren, andernfalls sollen wir stetig uns selbst erinnern, diesen Fehler von diesem Typ nicht zu machen. Aber eine Voraussetzung ist, dass diese Kritik auf Wahrheit und Gunst fußt, aber nicht auf Vorurteilen und Rufschädigung.

"Sind wir zu Gast bei Freunden? Oder bei Nationalisten, die, als Großmacht in Vergangenheit und Zukunft, der Welt endlich wieder zeigen wollen, wo der chinesische Medaillenhammer hängt?"

Es gibt auch ein einfachstes Prinzip in der chinesischen Philosophie. Wenn sie uns als Freunde ansehen, sind wir ihre Freunde. Wenn sie uns als Feind ansehen, sind wir Feinde.


05.08.2008 | 13:30 Uhr
Ralf Kowollik schreibt: Ja, ich freue mich auf Beijing

Ja, China ist eine Diktatur. Ja, in China gibt es die Internetzensur und keine Meinungsfreiheit. Die schlimmste Diktatur in Asien ist China jedoch nicht. Wer eine totalitäre kommunistische Diktatur erleben will , der gehe nach Nordkorea - im Vergleich zum Reich Kim Jong Ils wirkt China geradezu liberal. Man muss sehen, dass China noch ein Entwicklungsland ist, sowohl in wirtschaftlicher wie auch in politischer Hinsicht. Im gegenwärtigen Stadium scheint den Chinesen materieller Wohlstand wichtiger zu sein als politische Freiheit. Ob das immer so sein wird, wage ich zu bezweifeln. Tatsächlich dürfte mit wachsendem Wohlstand bei den Chinesen irgendwann auch der Wunsch nach mehr Demokratie und Freiheitsrechten aufkommen. Vom Korsett der sozialistischen Planwirtschaft haben sich die Chinesen immerhin schon erfolgreich befreit. "Freuen Sie sich trotzdem auf Olympia?", fragt die F.A.Z. Meine Antwort: JA!


05.08.2008 | 11:27 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: Stellen Sie sich positiv ein!

Ihr Artikel enthält zu viele negative Untertöne. Wir werden in den nächsten Jahren mit China leben müssen und kommen damit besser zurecht, wenn wir uns positiv einstellen und vor allem über die vielen Verbesserungen freuen, anstatt die "schlechten" Seiten zu kritisieren. Die Chinesen sind empfindlich gegen Kritik und werden es wohl auch immer bleiben. Ratschläge in freundlichem Ton kommen besser an und bewirken etwas.



05.08.2008 | 10:10 Uhr

Mark Siemons: Freuen wir uns mit den Chinesen

Die Kunst des Agendasettings scheint darin zu bestehen, sich immer wieder überrascht zu zeigen über Dinge, die man eigentlich längst schon weiß. Dass die Volksrepublik China eine Diktatur ohne Gewaltenteilung und Medienfreiheit ist, sollte zum Allgemeinwissen gehören. Dennoch gelingt es Meinungsfabrikanten bei jedem Bedarf, ein so frisches Entsetzen hervorzubringen, als habe einen die schlimme Nachricht erst gerade erreicht – und nicht schon zum Beispiel im Jahr 2001, als die Olympischen Spiele nach Peking vergeben wurden. Das Fatale daran ist, dass einem neu immer nur die eigene Entrüstung vorkommt und einem wirklich Neues dabei entgeht.

Aber das Eintreten für Menschenrechte in China wird erst dann glaubwürdig und wirkungsvoll, wenn es informiert ist. Wer das System Chinas von heute mit dem vom Ende der siebziger Jahre gleichsetzt und auf diese Weise die zahlreichen, nicht nur wirtschaftlichen und kulturellen, sondern auch politischen Veränderungen auf allen Ebenen nicht zur Kenntnis nimmt, wird von Regierungskritikern im Lande selbst nicht ernst genommen und der interessegeleiteten Ideologie verdächtigt. Deshalb sehen viele Intellektuelle "den Westen" keineswegs als Verbündeten in ihrem Ringen um Recht und Meinungsfreiheit an: einen Westen, der die Gleichsetzung von Staat und Gesellschaft, wie sie früher unter Kommunisten üblich war, heute oft selbst praktiziert und dabei die Umstrukturierungen von Institutionen und Leitvorstellungen, an die sich anknüpfen läßt, nicht selten ignoriert.

Ob Olympia in Peking nur eine propagandistische Staatsaktion ist und nicht auch dem Wunsch der Bevölkerung entspricht, sich der Welt von ihrer besten Seite zu zeigen, ist keineswegs ausgemacht. Die Herausforderung bestünde darin, den Opfern von Funktionärswillkür zur Seite zu stehen und gleichzeitig die Chinesen zu ihrem Aufstieg aus jahrhundertelangem Elend zu beglückwünschen – etwa indem man sich zusammen mit ihnen über die Olympischen Spiele freut.

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05.08.2008 | 20:12 Uhr
Oskar Geri schreibt: Bedingte Olympia-Vorfreude

Neben der propagandistischen Staatsaktion ist auch der Wunsch der Bevölkerung da, sich der Welt von ihrer besten Seite zu zeigen. Und ich glaube, dies kommt bei uns auch gut an.

Ich wußte noch vor nicht allzu langer Zeit kaum etwas von vielen Chinesen, die sich für Ihre Rechte einsetzen, obwohl große Gefahr damit verbunden ist, von freien investigativen Journalisten und Journalistinnen, von Sozialwissenschaftlern für die Einführung von Pressefreiheit/freiem Informationsfluss in China, von Bürgerrechtlern, die trotz Drohungen und Gefängnis weitermachen, von Intellektuellen, die sich kritisch zur Minderheitenpolitik äußern, usw...

China ist eine Wirtschaftsmacht geworden. Dies wird bewundert, und die Chinesen wissen das auch. Aber wegen Burma/Darfur, Tibet und den Bürgerrechtlern im Gefängnis kann es nur bedingt zu einer Olympia-Vorfreude kommen. Der emotionale Rahmen für die Spiele ist nicht mehr wirklich da. Man hatte noch bis vor kurzer Zeit auf einen Kurswechsel in Peking gehofft.


05.08.2008 | 11:45 Uhr
Thomas Steinert schreibt: "Allgemeinwissen"

Dass die CIA Terrorverdächtige foltert, sollte auch längst "Allgemeinwissen" sein. Und trotzdem ist jeder Fall aufs Neue wieder so abscheulich, dass man sich durchaus darüber empören darf!!!



04.08.2008 | 18:20 Uhr

Peter Sturm: Potemkinsche Dörfer

Ungetrübte Vorfreude auf ein großes Sportereignis ist heutzutage doch eigentlich gar nicht mehr möglich. Diesmal allerdings fällt es besonders schwer. Das liegt zum einen ganz praktisch daran, dass wegen der Zeitverschiebung viele Entscheidungen zu für Europa unglücklichen Zeiten fallen. Aber es liegt natürlich auch an der Politik. China wird der Welt ein riesiges, buntes Potemkinsches Dorf präsentieren.

Und wenn die Berichterstatter darauf aufmerksam machen, wird man sie - zum Beispiel in Foren wie diesem - der Miesmacherei bezichtigen, weil doch die Bilder so schön sind und weil die Menschen eine Sehnsucht nach heiler Welt haben. Außerdem, so hören wir immer wieder, soll man China endlich einmal in Ruhe lassen.

Also lassen wir uns eben betören. Wenn die Wettkämpfe einmal angefangen haben, tritt sowieso der Sport in den Vordergrund. Das wahre Gesicht der chinesischen Führung haben wir in den vergangenen Monaten gesehen. Und wir werden es nach den Spielen wieder sehen.

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08.08.2008 | 07:25 Uhr
Oskar Geri schreibt: Die Hoffnung bleibt unerfüllt

Man kann ja zu Olympia alles rausputzen und seine schöne Seite zeigen wollen. Aber wir haben es hier nun doch mit Realitätsverlust zu tun. Wie kann man denn solche großen One-world-one dream-Kulissen zu Olympia aufbauen und selbst keine ausreichenden Schritte dahin unternehmen? Die Hoffnung zu Olympia auf eine bessere Welt sind bisher nicht erfüllt worden.


05.08.2008 | 11:34 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: Der Ausdruck ist nicht angebracht

Das "Potemkinsche Dorf" bestand aus bemalter Pappe und ähnlichen Materialien, dagegen kann China sehr viel Konkretes und Positives vorzeigen, was in den letzten Dekaden entstanden ist. Ich bekenne mich dazu: Leute wie Sie sind Miesmacher.


05.08.2008 | 11:20 Uhr
Thomas Steinert schreibt: Zweierlei Maß

"Potemkinsche Dörfer" werden doch überall errichtet, wo solche Großereignisse stattfinden. Wie war es denn in Athen und Salt Lake City? Aber wenn die Chinesen tun, was andere auch tun, werden sie dafür kritisiert.



04.08.2008 | 17:12 Uhr

Jörg Ulrich Hahn: Wofür steht das IOC noch?

Die Spiele von Peking mit naiver Freude zu betrachten, fällt schwer. Denn das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat den richtigen Zeitpunkt lange verpasst, gegenüber den Gastgebern Stärke und Selbstbewusstsein zu zeigen. Es wird allenfalls folgenlose Gesten geben. Vor allem Jacques Rogge hat enttäuscht - durch seine Sprachlosigkeit, und das schon 2007, ein Jahr vor den Spielen, auf dem Platz des Himmlischen Friedens, und nochmals bei der Entzündung der Flamme in Olympia.

Seit mehreren Olympiaden ist nicht mehr erkennbar, für welches Profil des Sports und der Sportler das IOC steht. Mündige Athleten? Gesunde Athleten?

Der sich und anderen gegenüber rücksichtslose Athlet hat leider die letzten Jahrzehnte geprägt. Alles, was um Marion Jones und andere passiert ist, zeigt die Machtlosigkeit des IOC. Es wird seine Medaillen ja kaum mehr an saubere Athleten los.

Und noch eines: Peking steht vor allem für die Fortsetzung des Mottos "größer und teurer". Welche Länder, welche Städte sollen in Zukunft noch olympiatauglich sein?

Der Glaube an Sauberkeit und Fairness ist trotz massiver Dopingkontrollen und erkennbarer Fahndungserfolge bis auf weiteres zerstört. Dazu kommt: Langfristig entwertet sich jede Sportart, die sich auf die Jagd nach objektiv messbaren Rekorden einlässt. Wenn die Qualität der Leistung nur noch an (nicht mehr oder nur noch mit Manipulationen erreichbaren) Höchstmarken festgemacht wird, wendet sich der Zuschauer irgendwann ab.

Die Nachrichten von zahlreichen gedopten Sportlern in Griechenland oder Russland zeigt: Für Olympia wird aufgerüstet, weltweit. Und die Radprofis dürfen ja in Peking auch wieder mitmachen.

Die Staatsführung Chinas allerdings wird sich Doping und damit diesen internationalen Gesichtsverlust nicht leisten und lieber auf Medaillen verzichten, als sich neuerlich weltweiter Kritik auszusetzen. Eher werden auch Favoriten kurzfristig aussortiert, als ein Risiko einzugehen. Diese Botschaft aus Peking in die Provinzen an die dort arbeitenden Trainer und an (erfolgssüchtige) Regionalpolitiker ist erkennbar.

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05.08.2008 | 11:40 Uhr
Thomas Steinert schreibt: Müssen Rogge&Co jetzt gehen?

Das IOC hat doch schon lange abgewirtschaftet. Könnte die aktuelle Diskussion vielleicht endlich ein Anlaß sein, um über "personelle Konsequenzen" nachzudenken, wie es so schön heißt? Müssen Rogge und Konsorten ihren Machtverlust befürchten?


05.08.2008 | 11:37 Uhr
Johann G. Lohmann schreibt: Es ist gut, dass Sie gegen Doping kämpfen...

...aber denken Sie bitte daran, daß Doping nicht in China erfunden wurde. Ich bin auch nicht dafür, "die Spiele von Peking mit naiver Freude zu betrachten" - Freude, die nicht naiv ist, dürfen wir aber doch hoffentlich dabei empfinden, oder nicht?


05.08.2008 | 11:32 Uhr
stephen nuendel schreibt: Treffer!

Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen. Das IOC hat sich das Heft des Handelns längst aus den Händen nehmen lassen und die Olympischen Spiele im Sinne eines Türöffners als Instrument der Wirtschaftsförderung für Industriestaaten nutzbar gemacht. Und damit ihre Idee aufgegeben.