Montag, 16. Juni 2008

Diskussion abgeschlossen:

Sind die Chinesen an allem schuld?

Ob Benzin teurer wird, Menschen hungern oder das Klima kollabiert: China trägt die Schuld. Das schreibt F.A.Z.-Korrespondent Christoph Hein mit ironischem Unterton. Es sei verdächtig einfach, das Land anzuprangern.

Oder stimmt es vielleicht doch? Treibt Chinas Hunger nach Rohstoffen Europa in die Armut? Können Diktatoren ruhiger schlafen, weil Peking seine schützende Hand über sie hält? Ist das Weltklima noch zu retten, wenn China weiter ungehemmt wächst?

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Christoph Hein: Die Chinesen sind an allem schuld

Beiträge

02.08.2008 | 01:31 Uhr

stefan man: Demokratischer Welpenschutz für manche?

Eins vornweg: Ich möchte jetzt nicht Indien-bashing betreiben. Indien mag ich genauso wie China, jedoch sehe ich im Umgang mit diesen beiden Nationen erhebliche Unterschiede. Beide haben Probleme in folgenden Feldern bzw. Geimeinsamkeiten: Flächenstaat, religiöse und ethnische Heterogenität, ''separatistische Bewegungen" unter Volksgruppen, siehe Kashmir, Sikkhim, Tibet und evtl. Taiwan. Beide Entwickeln sich rasant, Indien als ''Demokratie'', China als ''Kommunistisches Regime''.

Über die unterschiedliche Berichterstattung

Im Sudan ist Indien neben China ein ebenso gewichtiger Stakeholder, in Burma hat Indien einen ähnlichen Einfluss wie China, Warum wird hier nur China aufs Korn genommen?

Vergleicht man die Entwicklung der Bevölkerung, ist China in den Bereichen Alphabetisierungsrate, Gesundheits- und Wohlstandsvermehrung sowie Bildung Indien z.T. weit voraus. Warum wird das nicht honoriert?

Indien und China stoßen beide Entwicklungsemissionen aus, aber jeder klagt über China. China und Indien zahlen für ihre Entwicklung einen großen Preis bzgl. der Schädigung der Natur. Dies wird als ''Entwicklungsemission'' abgetan (im Vergleich zur westlichen ''Wohlstandsemission'').

Zudem erhält Indien von der US-Regierung Hilfe beim Aufbau seiner Nuklearen Kapazitäten (ohne Vertragliche Regelung, diese nicht militärisch nutzen zu dürfen), ohne dabei den ABM-Vertrag unterzeichnet zu haben (dies sendet auch falsche Signale an Iran aus).

Wurzelt das derzeitig so populäre China-bashing eher auf einem Ideologischen Fundament? Das ist meine Vermutung.

Wir sollten wieder rationaler und pragmatischer werden, nur so kann man Probleme lösen.

Kommentare


06.07.2008 | 13:23 Uhr

Richard Eckhardt: Bei vollem Bewusstsein gehäutet !

Wer, wie die Chinesen, Tiere bei vollem Bewußtsein häutet, sich für keine Greueltat gegen selbst die eigene Spezies zu schade ist und weltweit einen derartigen Druck ausübt - der soll boykottiert werden und pleite gehen.

Kommentare

02.08.2008 | 01:45 Uhr
stefan man schreibt: Ohne jegliche Logik

Wenn die Chinesen pleite gehen, so wie sie hoffen, gehen auch die USA pleite - und wir im Schlepptau. Ganz großes Kino! Ade VW....

Es gilt auch hier die Maxime ''Geiz ist geil!'', ohne China war's das dann wohl. Keine billigen Tennissocken, billige Saturn-Angebote (DVD-Player für 19 Euro), billige TVs und PCs.

Glauben sie echt an das, was sie da schreiben?

Und wie, denken Sie, ergeht es den Nutztieren bei uns? In der Massenhaltung und beim Transport? Haben sie mal gesehen, wie Legehennen, Truthäne und Rinder hier gehalten werden? Warum und wie eine Freak-Krankheit wie BSE entstanden ist?

Schade, dass sich das China-bashing zu einem Volkssport entwickelt hat. Wir sollten nach eigenen politischen Lösungsansätzen suchen statt jeden Missstand hier in Deutschland auf andere (v.a. China) abzuwälzen.



29.06.2008 | 17:08 Uhr

Alfred Heck: Inszenierte tibetische Unruhen

Die meisten Menschen im "Westen" und die "freie Presse" sind sich in diesem Punkt weitgehend einig: Die Demonstrationen in Tibet hatten ihren Ursprung im Freiheitswillen der Menschen dieses 1950/51 gewaltsam eroberten Landes. Seither sind die Tibeter immer wieder zahlreichen Unterdrückungsmaßnahmen und Repressalien ausgesetzt.

Die "friedlichen Demonstrationen" im März wurden von der "Besatzungsmacht China" unter Inkaufnahme von vielen Toten und Verletzten gewaltsam beendet. Deshalb waren auch die Angriffe auf die olympische Flamme ein gerechtes und adäquates Mittel, um der chinesischen Führung - und letztlich auch den "ebenfalls unterdrückten und fehlinformierten Chinesen" - ihr verwerfliches Handeln vor Augen zu führen.

So plausibel diese Überzeugungen den meisten Menschen im Westen erscheinen, sie lassen sich in mehrfacher Hinsicht kritisieren. Nachfolgend werden drei zentrale Aspekte untersucht.

Umstrittener Status Tibets zum Zeitpunkt der Besetzung durch chinesische Truppen 1950/51

Tibet war von 1720 – 1911 als Protektorat Teil des chinesischen Kaiserreiches (Qing-Dynastie) - allerdings bei voller innerer Autonomie. Damit war das Land ein teilsouveränes staatliches Territorium, dessen auswärtige Vertretung und Landesverteidigung China unterstand. 1911 kam es zum Ende des chinesischen Kaiserreichs, am 1. Januar 1912 rief Sun Yat-sen die Republik China aus, und im April wurde Tibet zur chinesischen Provinz erklärt. Im Juni 1913 proklamierte der Dalai Lama die Unabhängigkeit Tibets. Diese Erklärung wurde jedoch von keinem Staat anerkannt.

Im Vertrag von Simla (1914) – abgeschlossen zwischen Tibet, China und Großbritannien - akzeptierte Tibet die Oberhoheit Chinas und die Einrichtung einer chinesischen Mission in Lhasa. Teile von Ost-Tibet wurden China zugesprochen. Der chinesischen Mission wurde auferlegt, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Tibets einzumischen, und China durfte trotz Oberhoheit Tibet nicht als chinesische Provinz "annektieren".

Der Vertrag, durch den im Prinzip der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt werden sollte, ist allerdings gegenstandslos, da die chinesische Regierung ihn nicht ratifizierte. China gab den Anspruch auf Tibet jedoch nicht auf. Im Juli 1949 zwang Tibet die chinesische Mission zum Verlassen Lhasas und beseitigte damit eine Einrichtung, die bis zu diesem Zeitpunkt als letztes Zeichen den Status Tibets als chinesisches Protektorat symbolisierte.
Das bedeutet: De facto agierte Tibet von 1913-1950 zwar weitgehend wie ein unabhängiger Staat, de jure bestand diese Unabhängigkeit jedoch nicht.

Juristisch gesehen reicht die Unabhängigkeitserklärung Tibets, die insbesondere von China, darüber hinaus aber auch von keinem anderen Staat anerkannt wurde, nicht aus, um einen unabhängigen Staat zu begründen. Eine völkerrechtliche Anerkennung erfolgte nicht, stattdessen zog sich Tibet in die Isolation zurück. Deshalb befand sich Tibet 1950 nach wie vor unter der Oberherrschaft Chinas, und der Einmarsch der chinesischen Truppen stand damit – ebenso wenig wie mehrere Male zuvor – unter diesem Gesichtspunkt nicht im Widerspruch zum internationalen Recht.

Allerdings erfolgte die Besetzung Tibets 1950/1951 gewaltsam. Sie war keine "Befreiung", sondern stand im Gegensatz zum Willen der tibetischen Bevölkerung. Da das tibetische Volk ein Volk im Sinne des Völkerrechts ist, steht ihm das Recht auf Selbstbestimmung zu. Dieses Recht wurde durch die gewaltsame Besetzung Tibets verletzt und wird der Bevölkerung bis heute nicht gewährt. Gleiches gilt allerdings auch für zahlreiche andere Völker, z.B. für die Tschetschenen, die Basken oder die Kurden.

Unruhen von außen gesteuert

Möglicherweise haben die tibetischen Unruhen wirklich ihren Ursprung im Freiheitswillen der Tibeter, allerdings lässt der Zeitpunkt Zweifel an dieser These zu. Zwar begannen die Demonstrationen am 49. Jahrestag des tibetischen Aufstands 1959, und das könnte als Beleg für den Freiheitswillen gewertet werden, der an diesem "Gedenktag" sich ein Ventil suchte. Überzeugen kann das jedoch kaum, denn schließlich gab es zuvor viele Jahrestage ohne Demonstrationen oder gar Unruhen. Von größerer Bedeutung war offenbar, dass diese Unruhen im Vorfeld der olympischen Spiele in Peking stattfanden, also zu einem Zeitpunkt, zu dem sie besonders wirksam waren. Diese Unruhen und auch die Angriffe auf die olympische Fackel trafen die Gefühle der Chinesen besonders stark, da China nach zwei Jahrhunderten der Demütigung durch fremde Staaten und nach den Wirren der Kulturrevolution endlich wieder ein wirtschaftlich und politisch starkes Land wurde, und die Chinesen wollten dies der Welt auch durch unvergessliche und harmonische Spiele beweisen.

Ins Ausland geflüchtete Tibeter berichten von Menschenrechtsverletzungen gegen Angehörige des tibetischen Volkes. Im Augenblick ist kaum überprüfbar, in welchem Ausmaß diese Anschuldigungen zutreffen. Die Anzahl solcher Berichte hat in den letzten Jahren jedoch nicht zugenommen, man kann sogar von einer gewissen Beruhigung sprechen. Das kann aber auch nicht wundern, denn wirtschaftlich gesehen ging es den Tibetern in den letzten Jahren so gut wie nie zuvor. China leistete und leistet weiterhin erhebliche finanzielle Aufwendungen für Investitionen, zum Aufbau der tibetischen Infrastruktur, aber auch zur Verbesserung des Lebensstandards der tibetischen Bevölkerung. Warum sollten die Unruhen also gerade jetzt ausbrechen?

Der Zeitpunkt der Unruhen legt nahe, dass diese gesteuert wurden und dass die Initiative dieser Unruhen von außen erfolgte. Dafür sprechen u.a. die unvermittelten Reaktionen der Auslandstibeter. Wie auf ein Zeichen fanden in ungewohntem Ausmaß leidenschaftliche und in der Folge auch gewalttätige Demonstrationen an der tibetischen Südgrenze in Nepal und Indien statt. Für die Inszenierung der Unruhen von außen spricht aber auch, dass die ersten Demonstrationen in Tibet von Mönchen durchgeführt wurden – von einer Bevölkerungsgruppe also, die ständig engen Kontakt zur tibetischen Exilregierung und insbesondere zu ihrem religiösen Führer dem Dalai Lama pflegt.

Angemessene Reaktionen der chinesischen Sicherheitskräfte

Die ersten Demonstrationen waren friedlich und wahrscheinlich haben die Ordnungskräfte – die zum erheblichen Teil selbst Tibeter sind – zu hart reagiert, u.a. sollen 15 demonstrierende Mönche verhaftet worden sein. Nähere Informationen, Fernsehaufnahmen und Bilder sind dazu nicht vorhanden. Was aber dann kam, waren zumindest teilweise kriminelle Aktivitäten nicht von Mönchen, sondern von tibetischen Jugendlichen und Bürgern und die darauf folgenden Reaktionen der Sicherheitskräfte. Diese bekam die Welt in meist nur kurzen Ausschnitten zu sehen und sie reagierte erschreckt und anklagend.

Warum eigentlich? Muss die Polizei nicht eingreifen, wenn Wohnungen und Geschäfte in Brand gesetzt werden, wenn Menschen attackiert werden und um ihr Leben fürchten müssen? Die Bilder, die die Welt zu sehen bekam, unterschieden sich kaum von den Bildern über die Mai-Unruhen in Berlin und Hamburg. Hätte die Polizei dort auch nicht eingreifen sollen?

Jeder Mensch hat das Recht zur friedlichen Demonstration und in dieser Beziehung liegt in China sicherlich noch Einiges im Argen, obwohl sich auch in diesem Bereich vieles zum Besseren gewendet hat. Das Recht zu gewaltsamen und strafbaren Handlungen haben Demonstranten jedoch nicht. Das gilt für Tibeter ebenso wie für Franzosen, US-Amerikaner oder Deutsche.

Im Nachhinein lässt sich immer darüber streiten, ob die Sicherheitskräfte gegen gewalttätige Demonstranten mit adäquaten Mitteln vorgegangen sind. Für die Tibet-Unruhen gilt: Die Bilder und Ausschnitte von Fernsehberichten, die in westlichen Staaten gezeigt wurden, können diese Frage nicht beantworten, zumal diese gravierende Fehler aufwiesen.

In einem bisher nicht aufgearbeiteten Medienskandal machten CNN, BBC und in der Folge auch deutsche Medien Krankenwagen, in denen Verletzte abtransportiert wurden, zu Fahrzeugen von chinesischen Sicherheitskräften, die Tibeter in Gefängnisse brachten. Verletzte chinesische Ladenbesitzer, die von der Polizei vor den anstürmenden jugendlichen Randalierern in Sicherheit gebracht wurden, machten die Medien zu verhafteten Tibetern. Ebenso wurden Ereignisse, die außerhalb Tibets stattfanden, nach Tibet verlagert. Mehrfach wurden nepalesische oder indische Polizisten, die auf demonstrierende Mönche oder auf Exiltibeter einprügelten, zu chinesischen Sicherheitskräften, und Ausschnitte aus Bildern, die in Wirklichkeit ein äußerst rabiates Vorgehen indischer und nepalesischer Sicherheitskräfte zeigen, sollten gewalttätiges Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte in Tibet belegen. Diese nach ihrer Meinung absichtlich gewählten falschen Darstellungen sind es, die die Exil-Chinesen auf der ganzen Welt in einer bisher nicht gezeigten Weise aufgebracht haben.

Eine andere Sicht wird deutlich, wenn man Berichte chinesischer Fernsehsender zugrunde legt. Dort wurde ausführlich – und ohne schwarze Bildschirme wie im Westen behauptet - über die Berichterstattung in anderen Staaten sowie über Berichte in westlichen Medien informiert. Die eigene Berichterstattung über die Unruhen erfolgte tagelang weitgehend unkommentiert ohne Unterbrechungen und in einer bemerkenswerten Offenheit.

Diese Bilder zeigten hart vorgehende chinesisch-tibetische Sicherheitskräfte allenfalls, wenn es um die Verhinderung von Straftaten, Plünderungen und Brandstiftungen ging. Ansonsten übten sich die Sicherheitskräfte eher in Zurückhaltung. Das Vorgehen der chinesisch-tibetischen Sicherheitskräfte hält jedenfalls jeden Vergleich mit dem Vorgehen westlicher Sicherheitskräfte bei vergleichbaren Unruhen in den Vorstädten von Paris, in Zürich, Hamburg oder Berlin aus und kann nach internationalem Standard insgesamt durchaus als angemessen bezeichnet werden.

Kommentare

31.07.2008 | 17:16 Uhr
Oskar Geri schreibt: Was spricht gegen eine unabhängige Untersuchung?

Es gibt in Tibet horrende Strafen, wenn Tibeter sich an friedlichen Demonstrationen beteiligen, inklusive der Wahrscheinlichkeit, anschließend im Gefängnis gefoltert zu werden. Dies ist schon einige Jahrzehnte so. Verweise zu Berichten von aus der Haft entlassenen tibetischen Nonnen und Mönchen, die im Gefängnis auf übelste Weise gefoltert wurden, kann ich Ihnen zukommen lassen.

Falls die Angaben von Toten unter Chinesen in Lhasa stimmen, sollten die tibetischen Täter verurteilt werden. Dies muß auch für die chinesischen Sicherheitskräfte gelten, die Tibeter erschossen hatten. Meinen Sie nicht? Davon habe ich bisher nichts gehört oder gelesen. Sie vielleicht?

Was passierte genau bei den Unruhen im März?

Die Tibeter verlangen eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse von der UN. Dies wollen auch die Europäer und die meisten demokratischen Nationen. Was soll denn dagegen sprechen?


16.07.2008 | 18:58 Uhr
Alfred Heck schreibt: Keine chinesische Vertuschungsaktion

In den "westlichen Staaten" dominiert noch immer die Überzeugung, dass die chinesischen Sicherheitskräfte für die tibetischen Unruhen verantwortlich sind, den Tod von bis zu 200 Tibetern zu verantworten haben und die VR China dies durch die Ausweisung von Touristen und Journalisten aus Tibet vor der Welt zu vertuschen suchte. Diese Überzeugungen stehen jedoch im Widerspruch zu den realen Ereignissen. Denn die Gewalt ging von Tibetern aus.
Die ersten weitgehend gewaltfreien Demonstrationen am 10. März wurden von den Behörden geduldet. Am 14. März begannen gewalttätige Ausschreitungen meist jugendlicher Tibeter, die sich gegen Han-Chinesen richteten. Deren Geschäfte und Fahrzeuge wurden geplündert und in Brand gesetzt. Dabei starben mindestens 13 Han-Chinesen, darunter 4 junge Frauen, die in einem Haus verbrannten. Zahlreiche weitere Han-Chinesen wurden leicht oder schwer verletzt.


01.07.2008 | 18:20 Uhr
Oskar G. schreibt: Vertuschungsaktion

Da China keine Journalisten (außer vom chinesischen Staatsfernsehen) nach Tibet einreisen läßt und selbst die UN-Menschenrechtskommissarin weiterhin unerwünscht ist, muß wohl von einer Vertuschungsaktion von Seiten der chinesischen Sicherheitskräfte ausgegangen werden.

Natürlich sind die chin. Staatsmedien ausnahmslos auf Propaganda eingestellt worden. Da bekommen Sie garantiert keine objektiven Informationen. Ich denke, diese Staatsmedien sind ähnlich wie das damalige Staatsfernsehen der DDR. Nur die Technik ist neu.

Da eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge in Tibet durch die Kommunistische Partei Chinas verhindert wird, sollten Sie deshalb Angaben der tibetischen Exilregierung eher berücksichtigen: Mehr als 200 tote Tibeter durch chinesische Sicherheitskräfte bei den Unruhen im März!

Die gemachten Fehler der westlichen Medien sind von eigener Seite öffentlich schon eingestanden worden. Ein Merkmal einer freien Presse! Hier überprüft man sich gegenseitig. In China auch? - Sicher nicht.


Stefan Tomik30.06.2008 | 15:03 Uhr
Stefan Tomik schreibt: "Internationaler Standard"?

Wenn das Vorgehen chinesischer Kräfte in Tibet tatsächlich "nach internationalem Standard insgesamt durchaus als angemessen bezeichnet werden" kann, wie Herr Heck behauptet, warum riegelt Peking Tibet dann für ausländische Journalisten ab? Warum werden unabhängige Medien daran gehindert, sich ein eigenes Bild vom Geschehen zu machen? "In den Vorstädten von Paris, in Zürich, Hamburg oder Berlin", die Herr Heck als Vergleich anführt, ist das jedenfalls ohne Weiteres möglich – und das ist der entscheidende Unterschied zwischen Demokratien und einem Regime, das den Informationsfluss mit allen Mitteln zu kontrollieren sucht.



23.06.2008 | 10:15 Uhr

William Li: China und der Westen

Im Jahr 1990 im Hörsaal der LMU München: Der Professor für Organische Chemie spricht über das Ozonloch und darüber, dass FCKW die Ozon-Schicht zerstören. Die Westen war bereit, die Produktion von FCKW einzustellen, im Gegenteil plante China ein 100.000-Tonnen-Werk zu errichten. Das war eine Umweltkatastrophe, das ist wahr! Kein Grund zu streiten! Aber:
1. Nach jahrezehntlangem Gebrauch von Kühlschränken im Westen hatte man erkannt, dass FCKW schaedlich sind. Hat der Westen nun das Recht, den Chinesen Kühlschränke zu verbieten?
2. Der Westen hat die Technologie für einen unschädlichen FCKW-Ersatz erfunden, diese China aber nicht zugunsten der Umwelt kostenlos zur Verfügung gestellt.
3. Vor der Erfindung des FCKW-Ersatzes kannte man auch die schädliche Wirkung von FCKW, warum hat der Westen den Einsatz damals nicht verboten?

Ich will China nicht von der Pflicht zum Umweltschutz befreien, ganz im Gegenteil: Wir tun sehr viel, viel mehr als man in der BRD glaubt. Ich will nur anregen zu diskutieren, wie man es besser macht.

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22.06.2008 | 11:56 Uhr

William Li: Warum sollten die Chinesen nicht reich werden?

Ich bin Chinese, kein KP-Mitglied, kein Kader, habe in der BRD studiert und gearbeitet 10 Jahre lang. Ich möchte nur meine Meinung hier äußern und hoffe, dass die Europäer die Chinesen und umgekehrt besser verstehen.

Stichwort Menschenrechte:

Mein Vorschlag: die radikalen, nicht konstruktiven China-Kritiker sollen nach China kommen und eine Studie über die Menschenrechte vom Ende des 19. Jahrhunderts, ab der Zeitpunkt deutscher militärischer Invasion, bis heute anfertigen. Dann kann man sehen, ob sich die Menschenrechtslage in China verbessert oder verschlechtert hat.

Stichwort Rohstoffe:

Um den Wohlstand des Westens zu erhalten, müssen die Chinesen für immer arm bleiben und billigere Rohstoffe an den Westen abliefern und dann teuere Endprodukte aus dem Westen importieren?

Wenn der Westen Rohstoffe aus Afrika und Lateiamerika importiert, haben Sie das auch so kritisiert?

Will man den Pro-Kopf-Verbrauch an Rohstoffen zwischen der EU und China vergleichen, bevor man China kritisiert?

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20.06.2008 | 17:36 Uhr

Alfred Heck: China am Pranger

Wer in den deutschen Medien – abgesehen von Reiseberichten – positive Berichte über das heutige China finden will, muss lange suchen. Das ist in anderen westlichen Staaten mehr oder weniger dasselbe. Das Bild, das über das politische System in China, über Wirtschaft und Gesellschaft gezeichnet wird, strotzt vor Negativkritik.

Das bleibt nicht ohne Folgen wie z.B. die Reaktionen der westlichen Bevölkerung auf die Unruhen in Tibet zeigen. Es wundert jedenfalls nicht, dass diese negativen Berichte inzwischen gern – von manchen Bevölkerungsgruppen sogar begierig – angenommen werden. Sie bestätigen die bereits gewachsenen Überzeugungen und Vorurteile, produzieren neue kritische Berichte und führen nicht selten sogar zu einer ablehnenden Haltung allgemein gegenüber China und gegenüber Chinesen. Gerechtfertigt sind solche Berichte jedoch nur, wenn sie ein Bild der Wirklichkeit zeigen. Das lässt sich jedoch in mehrfacher Hinsicht bezweifeln.

Politisches System

In China besteht keine Demokratie, sondern eine Diktatur. Es gibt keine freien Wahlen, die Äußerung des freien Willens ist nicht möglich oder stark eingeschränkt. Die eigene Bevölkerung wird unterdrückt, Dissidenten werden verhaftet und nach Scheinprozessen für Jahre weggesperrt. Allgemein herrscht ein Klima der Unsicherheit und der Angst, so der Tenor der Medien in den westlichen Staaten.

Kein Zweifel, aus der Sicht des Westens ist China keine Demokratie, es gibt nur eine Partei und die Wahlen zur Volksvertretung werden dem Anspruch demokratischer Wahlen nicht gerecht. Wer das politische System demokratisieren – sprich abschaffen - will, der bekommt wirklich den Zorn der Partei und des Staates zu spüren. Das ist die eine Seite. Aber es gibt noch eine zweite, die in der westlichen Berichterstattung weitgehend ausgeblendet wird.

Die chinesische Bevölkerung fühlt sich keineswegs unterdrückt, es herrscht auch kein Klima der Unsicherheit und der Angst und es ist – bis auf wenige Ausnahmen – durchaus möglich offen den freien Willen zu äußern ohne Nachteile befürchten zu müssen. Das äußert sich auch in alltäglichen Situationen: Arbeitnehmer demonstrieren für den Erhalt ihres Arbeitsplatzes, Taxifahrer beschweren sich lautstark über die Regierung und über erlassene Maßnahmen, während der Unruhen in Tibet demonstrierten tibetische Studenten in Beijing für die Autonomie ihres Landes. Unterdrückung der Massen? Nein, die Chinesen arrangieren sich zusehends mit dem politischen System und haben sich in diesem System eingerichtet. Die als ungerecht empfundene Berichterstattung in westlichen Medien über die Ereignisse in Tibet haben zu einer weiteren Aussöhnung mit der Regierung und dem politischen System beigetragen. Gleiches bewirkte die rasche Reaktion der Verantwortlichen auf das schreckliche Erdbeben in der Provinz Sichuan. Insbesondere Ministerpräsident Wen Jiao Bao war unverzüglich vor Ort, sprach den Opfern Mut zu und zeigte Betroffenheit und tief empfundenes Mitgefühl mit den Opfern. Diese Bilder – in denen sich die menschliche Seite des Systems spiegelte -zeigten in China Wirkung und gingen um die Welt.

Dennoch, das politische System in China entspricht nicht westlichen Demokratievorstellungen, aber verglichen mit den politischen Verhältnissen zuvor bietet das heutige System für die Chinesen gravierende Verbesserungen in Bezug auf die Lebens- und politischen Mitgestaltungsmöglichkeiten. Ein Beispiel dafür ist das neue Arbeitsvertragsgesetz. Es wurde am 20. März 2006 zum ersten Mal vorgestellt und in der Folge konnten Verbesserungsvorschläge durch die Öffentlichkeit vorgebracht werden. Dadurch war die Möglichkeit gegeben, den Gesetzgebungsprozess aktiv zu beeinflussen. Viele dieser Vorschläge und Kommentare wurden auch tatsächlich vom Gesetzgeber aufgegriffen und in das neue Gesetz, welches am 29. Juni 2007 verabschiedet wurde und am 1. Januar 2008 in Kraft trat, eingearbeitet. Man kann sagen, dass die Entwicklungsrichtung des politischen Systems in China stimmt. Das ist das Wichtigste und das sollte man nicht außer acht lasen, wenn man über das politische System ein Urteil fällt.

Wirtschaft

China - bisher einer der größten Profiteure der Globalisierung – erlebte seit Beginn der Öffnungspolitik eine außergewöhnliche wirtschaftliche Entwicklung mit jährlichen Wachstumsraten von nahezu 10%. Das Land wurde im Rahmen des gewaltigen weltwirtschaftlichen Umstrukturierungsprozesses, welcher in den letzten beiden Jahrzehnten statt gefunden hat, zunehmend zu einem der wichtigsten Akteure der Weltwirtschaft. Bei gleichbleibender Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung könnte China in absehbarer Zeit die USA als führende Weltwirtschaftsnation ablösen. Im Westen wird dies weithin als Bedrohung empfunden.

Es wundert daher nicht, dass die negativen Begleiterscheinungen, welche dieser Umstrukturierungsprozess mit sich gebracht hat, öffentlich an den Pranger gestellt werden. China ist aus Sicht vieler Menschen im Westen ein Land, welches wie kein anderes Produktionsmethoden einsetzt, die verantwortungslos die Umwelt verschmutzen, illegal Produkte oder Patente kopiert sowie bedenkenlos für die eigen Produktion nutzt und seinen Bürgern unmenschliche Arbeitsbedingungen und Arbeitsverhältnisse auferlegt bzw. diese nicht verhindert.

Diese Sichtweise lässt jedoch außer Betracht, dass China in den letzten drei Jahrzehnten einen Prozess durchlaufen hat, für den die Industriestaaten 200 Jahre benötigten. Fast alles, was China heute vorgeworfen wird, gab es im 19. Jahrhundert in den heutigen Industriestaaten auch, und zwar in nicht in geringerem Ausmaß.

Man lässt auch außer acht, dass China auf die Kritik reagiert hat. Man ist seit Dezember 2001 Mitglied der WTO und hat sich damit verpflichtet, illegale Kopien westlicher Produkte zu bekämpfen, was in zunehmendem Maße auch geschah und weiter geschieht. Die chinesischen Zölle wurden gesenkt und nicht-tarifäre Handelshemmnisse verringert. Der chinesische Markt wurde schrittweise nach außen geöffnet. Zahlreiche Umweltschutzgesetze und –bestimmungen wurden erlassen und sollen zu einer "sauberen" Produktion beitragen. Das neue Arbeitsvertragsgesetz sichert den Arbeitnehmern einen schriftlichen Arbeitsvertrag, besseren Kündigungsschutz und höhere Abfindungen zu. Weiterhin werden die Probezeit, der Mindestvertragsinhalt und die Informationspflichten des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer definiert. Dieses Gesetz wird die kontinuierliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen, die seit der Verabschiedung des Arbeitsgesetzes 1994 und seit der schrittweisen Umsetzung dieses Gesetzes bereits eingetreten sind, entscheidend weiter führen.

Das alles hat seinen Preis. Der Mangel an Arbeitskräften, die Umweltschutzauflagen, das Arbeitsvertragsgesetz und die teureren Rohstoffe verteuern die Produktion. China ist nicht mehr das Land, in dem die Produkte am billigsten produziert werden können. Das geschieht nun in Ländern wie Indien, Bangladesch, Vietnam, Kambodscha und Indonesien. Möglicherweise muss die westliche Presse, welche die Produktions- und Wirtschaftsverhältnisse in China so vehement kritisiert, sich bald umorientieren.

Gesellschaft

Die meisten Europäer erleben Chinesen – wie auch andere ostasiatische Völker - als kulturell andersartig, als fremdartig. Diese Menschen denken anders, handeln anders, essen anders, haben andere Gewohnheiten und Überzeugungen, man kann sie nicht wirklich verstehen und sie verstehen uns ebenfalls nicht. Die kulturellen Unterschiede könnten kaum größer sein. Das zieht einerseits zwar an, andererseits führt dies auch zu Unsicherheiten und zur Reserviertheit im gegenseitigen Umgang. Für beide Seiten gilt: Man schottet sich ab und bleibt weitgehend unter sich. Das zeigt sich z.B. in der Bildung von "Chinatowns" in vielen Städten im Westen oder in der freiwillig gewählten Isolation chinesischer Studenten in Deutschland oder deutscher Studenten in China. Dieses Phänomen lässt sich zwar auch zwischen anderen Nationalitäten beobachten, aufgrund der großen kulturellen Unterschiede ist es zwischen Völkern des Westens und des Ostens jedoch besonders stark ausgeprägt.

Dabei könnten die langfristig gewachsenen Kulturunterschiede auch als Schatz verstanden werden, aus dem eine reiche kulturelle Entwicklung für West und Ost entstehen kann. Beide Seiten könnten voneinander viel lernen und profitieren. Voraussetzungen dazu wären eine Offenheit und Lernbereitschaft sowie – und das ist das Wichtigste - die gegenseitige Akzeptanz der Andersartigkeit bei gleichzeitiger Begegnung auf Augenhöhe. Aber aus Sicht der chinesischen Bevölkerung bemüht sich die überwiegende Mehrheit der Menschen im Westen nicht, die Kultur des Ostens wirklich zu verstehen und die Lebens- und Verhaltensweisen als gleichrangig zu akzeptieren. Stattdessen offenbart sich den Chinesen im persönlichen Umgang und in den westlichen Medien zumeist eine aus ihrer Sicht arrogante Haltung, die auf einer vermeintlichen Überlegenheit der westlichen Kultur basiert und sich aus der Industrialisierung und der westlichen Hegemonie in den letzten Jahrhunderten speist. Diese Haltung, die sich im Übrigen nicht nur im Umgang mit Chinesen offenbart, birgt erhebliche Gefahren für den persönlichen Umgang, für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenarbeit und letztlich auch für den Frieden.

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20.06.2008 | 09:20 Uhr

Liu Liqun: Zur Notwendigkeit der Menschenrechte

China hat 1,3 Milliarden Bewohner. Die Menschenrechte einiger wenigen Menschen liegen im Argen. Aber das bedeutet doch nicht, dass die Menschenrechte der meisten Chinesen im Argen liegen. Ganz im Gegenteil: Die meisten Chinesen sind mit der Verbesserung ihrer Menschenrechte zufrieden.

Die Chinesen dürfen ihre Meinung frei äußern und sowohl die Zentralregierung als auch die Lokalregierungen kritisieren, auch über das Internet. Schon spricht man in China von einer Internet-Politik oder -Demokratie. Jetzt ist es immer üblicher, dass die Beamten sowohl der Zentralregierung als auch der Lokalregierungen mit der Bevölkerung im Internet über Politik diskutieren.

Jetzt kommt es auch immer mehr vor, dass eine natürliche Person oder ein Unternehmen gegen einen Beamten, eine Lokalregierung oder sogar ein Ministerium der Zentralregierung Anklage erheben und zum Schluss auch gewinnen kann.

China erlebt alle paar Jahre einmal schlimme Hochwasser oder Trockenheit, was früher Hungersnot bedeutete. Aber seit 30 Jahren haben die Chinesen keine Hungersnot mehr erlebt, obwohl noch öfters Hochwasser und Trockenheit vorkommen.

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26.06.2008 | 16:09 Uhr
Oskar G. schreibt: Warnung für andere Aktivisten

Herr Professor Liu,

zu der Verurteilung von Herrn Hu Jia möchte ich Ihnen gerne folgende Information zukommen lassen: Amnesty International sieht in dem Urteil eine Warnung für andere Aktivisten in China, die es wagen, Menschenrechtsprobleme offen anzusprechen.

Das Eintreten der Journalisten und westl. Regierungen für Hu Jia soll doch gerade auf die Verbesserung der Menschenrechte in China drängen.
Und wenn nun AI sich dem Fall Hu Jia annimmt, sollten die chin. Behörden doch zu einer Neubewertung des Falls bereit sein.

Herr Hu Jia ist zusammen mit dem Dalai Lama Ehrenbürger von Paris. Ich denke, diese Entscheidung stieß bei allen europäischen Ländern auf Zustimmung.
Für uns hier in den demokratischen Ländern ist der Fall Hu Jia im Grunde genommen ein Beispiel für die unzulässige Willkür einer Staatsmacht.

Ihren Vorschlag, eine Umfrage unter Chinesen zu organisieren, finde ich interessant. Wie ist sowas am Besten zu machen? - Über das Internet?
Ich danke Ihnen.


24.06.2008 | 18:45 Uhr
Oskar G. schreibt: Hoffentlich kommt die Wahrheit über Tibet ans Licht

Herr Professor Liu Liquin, auch ich danke Ihnen für die klare Position zu der Menschenrechtslage in China und Tibet. Erstmal zu Ihrer Meinung über Tibet: Ich hoffe, daß durch den Dialog zwischen der chinesischen Regierung und dem Dalai Lama im olympischen Jahr die Wahrheit über Tibet und die Situation der Tibeter endlich allen Menschen zugänglich gemacht wird.

Das ist ein Thema, daß nicht nur Chinesen und die Tibeter etwas angeht. Ich finde, daß Tibet wegen seiner einzigartigen Kultur uns alle angeht.

Ich selbst war schon in Tibet gewesen aber leider noch nicht in China. Bitte entschuldigen Sie, daß ich weiter selbstverständlich zwischen Tibet und China unterscheide. Wenn Sie wünschen kann ich das auch ausführlicher erklären.


Peter Sturm24.06.2008 | 16:07 Uhr
Peter Sturm schreibt: Widerspruch dringend geboten

Hu Jia war nicht "clever", schreibt Professor Liu, weil er mit Menschen Kontakt aufgenommen hat, die China gegenüber feindselig eingestellt sind. Wenn der Mann nicht im Gefängnis säße, könnte man diese Aussage skurril finden, müsste sich aber nicht weiter aufregen. Da er aber im Gefängnis sitzt, ist Widerspruch dringend geboten.

Wenn man der Logik von Professor Liu (und der chinesischen Regierung) folgt, ist so gut wie jede Meinung okay, solange sie nicht geäußert wird. Und wenn sie dann noch im oder gegenüber dem Ausland geäußert wird, ist das ein unpatriotischer Akt und gehört bestraft.

Gut dass wir mal darüber gesprochen haben. Jetzt sieht man wenigstens klar. Und es ist gut, dass diese Position an dieser Stelle so unzweideutig geäußert worden ist.

Die Aussagen zur "Dalai-Clique" sollte man sich merken. Regierungspositionen können sich gegebenenfalls schnell ändern. Und wir wollen doch mal sehen, wie Professor Liu argumentiert, wenn seine Regierung mit besagter "Clique" wirklich ernsthaft zu verhandeln beginnt, wenn vielleicht sogar Vereinbarungen geschlossen werden.

Aber vielleicht weiß er ja mehr als wir alle, dass nämlich die Gespräche womöglich nur zur Beruhigung des Auslands geführt werden, um dann nach den Olympischen Spielen stillschweigend beerdigt zu werden.


Liu Liqun24.06.2008 | 05:51 Uhr
Liu Liqun schreibt: Was die Chinesen wirklich denken

Herr Oskar G., waren Sie schon einmal in China? Wissen Sie, wie die meisten Chinesen leben und was sie wirklich denken?
Eines möchte ich sagen: Dass Hu Jia nicht wegen seiner Meinung für mehr als drei Jahre ins Gefängnis ging, wie Sie so behaupten und die deutsche Presse so verzerrt berichtet hat. Offen gestanden: Ich selber habe auch kritische Meinungen zu der chinesischen Regierung geäußert, aber statt eines Haft-Urteile bekomme ich doch Lob und Unterstützung und kann meine kritischen Meinungen auch weiter frei äußern. Also: In China herrscht doch im Großen und Ganzen die Meinungsfreiheit. Wenn Sie mir nicht glauben, dann möchte ich Ihnen vorschlagen, eine Umfrage darüber unter den Chinesen zu organisieren.
Hu Jia ist leider nicht clever und steht der chinesischen Regierung feindselig gegenüber. Er hat teilweise auch China gegenüber feindselige westlichen Kräfte als Rückendeckung benutzt. Hu vertritt doch nicht die meisten Chinesen und kann sie auch nicht vertreten , auch diese westlichen Kräfte können das nicht.
Auch in Tibet werden die Menschenrechte nicht verweigert, wie Sie und viele Deutsche durch die verzerrten Berichte in der deutschen Presse so meinen. Erstens: Die westliche Presse spricht immer von der "Besetzung Tibets durch die Chinesen", was aber den geschichtlichen Tatsachen und auch den Ausdrucksweisen im Han-Chinesisch überhaupt nicht entspricht. Es gibt jede Menge Beweise, dass Tibet seit jeher zu China gehört. Man soll eigentlich von Han-Chinesen und Tibet-Chinesen und deren Beziehungen sprechen, also von zwei von insgesamt 56 Nationalitäten in China, statt von einer Beziehung zwischen China und Tibet. Vor allem solidarisieren sich alle Han-Chinesen mit den Tibet-Chinesen seit jeher und auch umgekehrt.
Zweitens: Die westliche Presse spricht immer von der "Unterdrückung der Tibeter durch die chinesische Regierung", was ebenfalls den Tatsachen nicht entspricht. Die zu unterdrückenden Tibet-Chinesen sind nur wenige junge Mönche, die nach Unabhängigkeit trachten und gleichzeitig Gewalt ausgeübt haben, also strafbare Handlungen. Die meisten Tibet-Chinesen sind aber nicht gegen die Regierung und für die Unabhängigkeit. Sowohl die tibetische Sprache als auch deren Kultur sind gut bewahrt und gepflegt.
Drittens: Die Dalai-Clique bekommt schon von Anfang an finanzielle Unterstützung und sogar Waffenlieferungen von der CIA und anderen westlichen Kräften. Dies ist im Westen nicht bekannt. Ohne diese Unterstützung wäre es für die Dalai-Clique unmöglich, nach der de facto-Unabhängigkeit zu trachten. Deswegen ist die Dalai-Clique vor allem eine politische Gruppe und keine reine Religionsgruppe, die zahlenmäßig nur ca. ein zwanzigstel der Tibet-Chinesen ausmacht. Also sie vertritt doch nicht alle Tibet-Chinesen.


23.06.2008 | 11:24 Uhr
Oskar G. schreibt: Eine Auseinandersetzung mit Hu Jia wäre China würdig gewesen

"Die Meinungsfreiheit wurde bereits 1789 in Art. 11 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte in Frankreich als eines der vornehmsten Rechte des Menschen (frz.: un des droits le plus précieux de l'homme) bezeichnet. Heute gilt sie als einer der wichtigsten Maßstäbe für den Zustand eines demokratischen Rechtsstaates."

Herr Liu Liquin, warum muß Hu Jia denn wegen seiner Meinung für mehr drei Jahre ins Gefängnis? Ich verstehe es immer noch nicht, und ich finde es auch eine eklatante Verletzung der Menschenrechte.

Eine öffentliche Auseinandersetzung mit Hu Jia wäre dem großen traditionsreichen Land China würdig gewesen. Was sagt die KPC auf der einen Seite, und auf der anderen Seite was sagen Hu Jia und andere Bürgerrechtler? Das kann dann jeder erfahren und daran teilhaben und auch mitdiskutieren.

Im Olympischen Jahr werden auch in Tibet weiterhin die Menschenrechte verweigert. Warum? Trotz des wirtschaftlichen Aufschwungs ist China doch noch immer nicht im 21. Jahrhundert angekommen.


22.06.2008 | 21:54 Uhr
Zi You schreibt: Neu geboren für China

Noch nie hatte ich meine tiefe Liebe zu meinem Heimatland China so deutlich gespürt wie seit dem 14. März 2008. Ich liebe das Land, die Menschen, die Landschaft, die Musik, die Kultur. Einfach alles. So geht es den meisten Chinesen nach dem Vorfall in Tibet im März. Besonders jenen, die im Ausland leben wie ich.
Diese Liebe tut so weh, aber es ist so schön. Ich träume von diesem wunderschönen Land, wenn ich überhaupt schlafen kann. Viele Tränen habe ich seit dem 14.03.2008 vergossen, für all die ungerechten Vorwürfe der westlichen Medien, für meine eigene Ohnmacht, für die Menschen, die Ihr Leben bei den Ausschreitungen in Tibet und durch das Erdbeben verloren haben.
Diese Liebe zu China hält mich am Leben. Über kurz oder lang werde ich nach China zurückkehren. Im Jahr 2008 bin ich neu geboren worden. Für China.


Liu Liqun21.06.2008 | 17:57 Uhr
Liu Liqun schreibt: Zum Bürgerrechtler Hu Jia

Meine persönliche Meinung ist, dass das Haft-Urteil von Hu Jia mindestens teilweise den westlichen Korrespondenten und auch den westlichen Regierungen zu verdanken ist.

Wenn Hu seine Kritik gegen die chinesische Regierung nur selber ausübt, wie es die meisten Chinesen mit ihren regierungskritischen Artikeln auch so machen, ohne mit den westlichen Korrespondenten Kontakt aufzunehmen und die Westler für seinen Herr oder Retter anzusehen, dann wäre alles kein Problem. Es gibt im heutigen China de facto viel mehr Menschenrechtler, v.a. Rechtsanwälte, sie dürfen ihre Menschenrechtstätigkeiten tun und sind überhaupt nicht in Gefahr, weil sie nicht mit den westlichen Korrespondenten Kontakt aufnehmen.

Die ausländischen Invasionen und Besatzungen vor 1949 sind immmer noch ganz frisch im Gedächtnis der meisten Chinesen. Damals kümmerte sich fast kein westlicher Korrespondent und keine westliche Regierung um die Menschenrechte der Chinesen. Die meisten Chinesen denken jetzt so, die westlichen Staaten haben eine schmutzige Geschichte hinter sich und sind deswegen nicht geeignet, China zu kritisieren. Sie sind auch geneigt, solche sog. Menschenrechtler als Quisling zu betrachten.

Die offene Unterstützung der einigen wenigen chinesischen Dissidenten durch die westlichen Korrespondenten bzw. Regierungen von heute sind sowohl der chinesischen Regierung als auch den meisten Chinesen dann recht verdächtig und werden als nicht (ganz) freundlich und nicht zuletzt sogar als feindselig und als Einmischung in die innere Angelegenheit Chinas betrachtet.

Die westlichen Korrespondenten und auch manche westliche Regierung wollen vielleicht wirklich der chinesischen Bevölkerung zu mehr Menschenrechten verhelfen. Das Motiv selber ist zwar berechtigt, aber mindestens die Art und Weise ist nicht passend. Sie kennen die wirklichen Zustaende der meisten Chinesen auch zu wenig, und haben de facto einen Bärendienst geleistet.

Man sollte sehen, dass die chinesische Regierung selber am meisten um die Verbesserung der Menschenrechte der chinesischen Bevoelkerung bemüht ist, nicht aber die wenigen sog. Menschenrechtler, auch nicht die wenigen westlichen Korrespondenten bzw. die westlichen Regierungen. Da China so groß ist und die größte Bevölkerung hat, ist es überhaupt nicht einfach, alle Probleme der Menschenrechte auf einmal oder sehr schnell zu lösen. Es ist dann nicht berechtigt und viel zu vereinfacht, die chinesische Regierung als Unterdrücker der Menschenrechtler zu betrachten.


20.06.2008 | 13:24 Uhr
Oskar G. schreibt: Bürgerrechtler Hu Jia

"Hu war in China Anfang des Monats zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Peking befand den 34-Jährigen der Untergrabung der Staatsgewalt für schuldig. Hu gilt als einer der bekanntesten Menschenrechtsaktivisten in China, er wurde unter anderem durch regierungskritische Artikel im Internet bekannt." (Spiegel online)

Wegen regierungskritischer Artikel kommt man in China für Jahre ins Gefängnis. Dann droht dies doch jedem Chinesen, oder nicht? Oder können Sie etwa regierungskritische Artikel schreiben und nur Herr Hu nicht? Ich halte Meinungs- und Pressefreiheit für eine der wichtigsten Errungenschaften der modernen Welt.

Ich gebe Ihnen recht, daß erstmal jeder genug zum Leben haben muß. Wenn dies geschafft worden ist, müssen aber auch die Menschenrechte eingefordert werden. An dem obigen Beispiel und an der Unrechtspolitik in Tibet sieht man, wie es um die Menschenrechtspolitik der KP in China immer noch bestellt ist.

Mehr über Hu Jia



19.06.2008 | 18:11 Uhr

Jan von Berejow: Kreuzzug gegen China

Die jetzt geführte Kampagne gegen China hat gewisse Eigenschaften eines Kreuzzuges. Es gibt angeblich einen Schuldigen und viele sind gern dabei, ihn vernichten zu wollen.

Dabei macht China nichts anderes als das, was die westlichen Mächte schon lange machen oder gemacht haben. Nicht China ist in der Welt der Luftverpester Nr.1 und auch nicht China verbraucht die meisten Rohstoffe. Auch das rasante Wachstum des Landes ist noch keine Bedrohung für die Menschheit.

Von dem Dialog mit China wird es abhängig sein, wie sich das Land in der Welt positionieren wird. China ist stark genug, um eigene Lösungen anzugehen, falls die Gespräche mit den westlichen Ländern scheitern sollten. Man stellt sich aber gern mit gehobenem Zeigefinger hin und versucht, auf die dortigen Probleme hinzuweisen. Ob das der richtige Weg ist, würde ich erst bezweifeln.

Kommentare

20.06.2008 | 02:54 Uhr
Josef Bujtor schreibt: China an allem schuld ist leider eine Ablenkung

Immer von China zu sprechen, ohne über das wirkliche Proplem zu sprechen ist eine - leider sehr erfolgreiche - Ablenkung vom Kommunismus und seiner Unterdrückung. Denn die KPC unterdrückt ja nicht nur Minderheiten im eigenen Land sondern auch die Mehrheit. Jeder Andersdenkende kann jederzeit eingesperrt werden.

Dabei ist der Unterschied zwischen Arm und Reich unter dem Kommunismus größer als in dem bösen Kapitalismus. Die KPC versteht es sehr gut, das alles auf China zu beziehen. Die KPC will damit das Volk hinter sich bekommen - und das mit Erfolg und der Hilfe der Sympathisanten aus den Demokratischen Ländern. Dazu kommt noch der Schwindel, dass man vom Westen spricht und nicht von den demokratischen Ländern. Von der Kultur und nicht von Kommunismus und Demokratie wird gesprochen - eine sehr erfolgreiche Propaganda. Wann begreifen die Demokraten endlich?



19.06.2008 | 17:50 Uhr

Peter Sturm: Köpfe aus dem Sand

Wenn Kritisches über die Verhältnisse in China gesagt wird, bekommt man oft zu hören, wir Europäer hätten den Chinesen in der Vergangenheit übel mitgespielt und sollten deshalb ganz ruhig sein.

Aber sollen wir heute schweigen, nur weil unsere und anderer Leute Vorväter böse Dinge getan haben? So kann Miteinander auf dieser Welt nicht funktionieren. Offenheit für Kritik muss eine Zweibahnstraße sein. Und auch wenn es anmaßend klingt, das muss China lernen und akzeptieren.

Kommentare

23.06.2008 | 12:11 Uhr
William Li schreibt: Richtig, aber unvollständig

Sehr geehrter Herr Sturm,
ich stimme Ihnen 100% zu, dass "Offenheit für Kritik muss eine Zweibahnstraße sein". Ihr Bericht gibt mir aber ein Gefühl, dass die 2 Bahnen unterschiedlich breit, vielleicht sogar nur eine Einbahnstraße sind.
Sie schreiben "Für Peking hingegen regieren die "Behörden" in Taiwan lediglich eine "abtrünnige Provinz". Das ist richtig. Warum schreiben Sie nicht, dass Taiwan (Republic of China) das ganzen Festland incl. Mongolei als "abtrünnige Provinzen"beansprucht? Und der Bürgerkrieg zwischen Taiwan (ROC) und der VR China noch nicht beendet ist?


20.06.2008 | 04:04 Uhr
Kevin T. schreibt: Muss China? Nein, China muss es nicht!

Darf ich mal unhöflich annehmen, Herr Sturm? Ich verzeihe im voraus. Mein Großvater hat damals Ihren Großvater getoet, ihre Vermögen und Kunstwerke geraubt und ist dadurch reich geworden. Danach hat niemand von meiner Familie sich bei Ihnen entschuldigt. Jetzt, nach vielen Jahren, komme ich zu Ihnen und sage "Hei Du, vergess doch die Vergangenheit, lass uns neu anfangen. Aber du musst das und das machen, was ich für richtig halte, sonst bin ich mit dir nicht zufieden." In diesem Fall, wie würden Sie fühlen und reagieren? Will ich wirklich mal wissen.

Es ist einfach zu sagen, es gibt kein richtiges Vertrauen zwischen den Völkern. Herr Sturm, Sie können natürlich China kritisieren, wie Sie wollen. Nur muss China nicht lernen und akzeptieren, was Sie meinen. Die Chinesen wissen genau: Was die Westler uns zwingen zu akzeptieren, ist bestimmt keine gute Sache! Gute Sachen können Chinesen nur durch fleißiges Arbeiten und hartes Kämpfen bekommen.


20.06.2008 | 00:25 Uhr
jet li schreibt: Die Vorväter

Schon die Vorväter beriefen sich darauf, China "Zivilisation", "Freiheit" und "Wirtschaft" zu bringen. Die Resultate sind bekannt.

Diverse Politiker agieren heutzutage wie damals. Die geheuchelte Moral schimmert überall durch - ob in Asien, Südamerika oder Afrika

Nach der eindimensionalen Tibet-Hysterie zum Fackellauf ist auch das Ansehen der westlichen Medien in China ruiniert. Das schöne "anständige" Gerede nimmt man zwar wahr, aber an die gute Absicht glaubt in China keiner mehr.

Die Unterstützung diverser Minderheiten in China von verschiedenen westlichen Kräften aus Eigeninteresse ist übrigens kein Novum. Die jetzigen Minderheitenkonflikte haben ihre Wurzeln in der Zeit der Vorväter.

In China gibt es einen sehr populären Witz:
Ein Chinese sagt zum anderen: Hast du es schon gelesen? Die Europäer schreiben, sie lieben China!
Der andere Chinese antwortet: Ja, deswegen wünschen sie sich viele Chinas! ;-)



19.06.2008 | 17:47 Uhr

Benedikt Gresser: Schuldig sprechen und zurücklehnen

Bequem heißt hier gefährlich. Solange wir die Möglichkeiten, die wir alle haben, weder auskundschaften, geschweige denn nutzen, werden wir Schuldige brauchen, um uns weiterhin zurücklehnen zu können.

Vom Zurücklehnen ist noch kein Korn gewachsen, keine Straße entstanden und kein Kind satt geworden. In einem Land, wo sich so viel zurückgelehnt wird wie in Deutschland, werden politische Organe und der Staat regelrecht provoziert, die "Lücken" zu füllen. Ziele und Partner finden, Pläne ausarbeiten und umsetzen, zusammenarbeiten und teilen, dann werden wir sehen, welche Lücken da noch übrigbleiben.

Worauf warten wir? Vor die Haustür ist es nicht weit.

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19.06.2008 | 16:48 Uhr

Stellar Orienta: Allein diese Diskussion ist schon pervers!

Der Preisanstieg der Ressourcen ist in erster Linie den Industrieländern zu verdanken, die bisher über und über sorglos und rücksichtslos damit umgegangen sind.

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19.06.2008 | 16:24 Uhr

Christoph Hein: Die Notwendigkeit der Menschenrechte

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und dem Westen verbessern sich, und das ist gut so. Die Menschenrechte aber liegen in China weiter im Argen. China dazu zu bringen, ihnen zu genügen, müsste das vordringlichste Ziel des Westens sein.

Vieles wäre doch erreicht, würde China die Menschenrechte achten. Dies indes geschieht nicht. Die Frage, die sich nun stellt, lautet doch, wie China dazu gebracht werden kann. Die gängige Antwort aus der Wirtschaft heißt: Wandel durch Handel. Flankiert wird er durch politische Hilfestellung wie etwa den Rechtsstaatsdialog. Deutliche Fortschritte indes sind insgesamt nicht zu erkennen. Sanktionen, Boykottaufrufe laufen ins Leere. Damit wird die Frage nach den Menschenrechten zu einer ganz pragmatischen Frage.

Hürden auf diesem Weg sind nicht nur das Ein-Parteien-System, der Mangel im Justizsystem, sondern auch ein weit verbreiteter, anderer Gesellschaftsbegriff als im Westen. Der Schutz der Gesamtgesellschaft und deren Entwicklung stehen im Vordergrund, nicht die Rechte des Individuums.

Gute Wirtschaftsbeziehungen helfen im Endeffekt beiden Seiten, auch wenn es zu gelegentlichen Vorteilen oder oder zur Übervorteilung kommt. Sie allein aber dürften wohl kaum reichen, das Menschenrechtsproblem Chinas auf absehbare Zeit zu lösen.

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20.06.2008 | 03:09 Uhr
Josef Bujtor schreibt: Nahe der Wirklichkeit

Leider gibt es viel zu viele, die den Begriff Demokratie weglassen, der in unserer Politik doch im Mittelpunkt stehen sollte. Das zeigt, dass die Demokratie unserm Volk noch nicht in Fleisch und Blut übergegangen ist. Leider haben wir mehr Bürger in unserem Land, die lieber die Demokratie abgeschafft haben. Und darin untwerscheiden wir uns von den meisten europäischen Ländern.


20.06.2008 | 00:41 Uhr
jet li schreibt: Wandel durch Handel

Aber gleichzeitig entwickelt sich durch das Wirtschaftswachstum und den steigenden Wohlstand ein immer stärkerer Individualismus. Besonders in der Oberschicht und der wachsenden Mittelschicht lässt sich das bemerken. (Das ist keine leere Behauptung, dazu gibt es zahlreiche Studien)

Das führt unter anderem dazu, dass immer mehr Rechte eingefordert werden, und es kommt sehr wohl zu einer Verbesserung der Menschenrechtssituation. Wie sie keine deutlichen Fortschritte sehen können, ist mir mehr als ein Rätsel.

Die Entwicklung geht aber nicht so schnell voran, wie wir es uns wünschen bzw. in den Bereichen, die wir als wichtig erachten. Aber das liegt an unserer zu hohen Erwartungshaltung und Blindheit für die chinesischen Wünsche/Bedürfnisse.

Desweiteren ist das Tempo der Entwicklung bzw. die Entwicklung an sich Sache der chinesischen Bevölkerung und geht uns im Grunde genommen nichts an.



19.06.2008 | 15:52 Uhr

Oskar G.: China darf auch Fehler machen, nur ...

... haben diese Fehler weit größere Auswirkungen bei über 1 Milliarden Menschen. Dies sollte der chinesischen Führung zu denken geben und uns hier in Deutschland auch.
Dann ist es gefährlich für Demokratien und die Wahrung der Menschenrechte, wenn China sein politisches System anderen Staaten aufzwingt wie in Tibet, Korea und Vietnam und in Zukunft wegen dem Machtzuwachs dies auch in entfernteren Staaten tun könnte.

Nepal und Indien sind schon im Visier von Maoisten. Bhutan kann sich bisher noch wehren.
Es ist also im Interesse aller freiheitlichen Staaten, denen die Menschenrechte wichtig sind, China zu deren Respektierung aufzufordern. Dies muß nun mit allem Nachdruck geschehen!
Der Umgang mit Tibet und den eigenen Bürgerrechtlern sollte uns schwer Sorgen machen.

Kommentare

02.08.2008 | 01:07 Uhr
stefan man schreibt: Woher stammt ihr Wissen?

Ihr Beitrag liest sich wie ein Panik machender Artikel in den besten Zeiten des kalten Krieges. Dass Indien im Visir der KP ist, ist mir neu. Eigentlich idealer Stoff für einen Krimi. Tatsächlich sind es Einheimische politische Gruppierungen die sich der Mao-Doktrin bedienen.

Und ich schliesse mich Jet Li an. Wenn Nordkorea sich Chinas Öffnung anschliessen würde, wäre damit ein großer Dienst an der dortigen Bevölkerung vollbracht (auch in Hinsicht auf die Menschenrechte).


20.06.2008 | 00:29 Uhr
jet li schreibt: Politische Systeme

Also Vietnam hat ein ähnliches System wie die VR - was sie von der VR übernommen hat, war die Wirtschaftliche Öffnung, und diese kann man wohl kaum negativ bewerten.

In Nepal sind zwar Maoisten an der Macht, das hat aber wenig mit China zu tun. In China gibt es keine Maoisten mehr, man kann sogar weitergehen und sagen, dass die KP den Nepalesischen Monarchen unterstützte. Den Sieg der Maoisten als kommunistische Übernahme Chinas einzuordnen, zeigt nur von der absoluten Unkenntnis der Situation.

@Korea
Ich würde mich freuen, wenn Nordkorea den chinesischen Weg einschlägt. Wirtschaftliche Öffnung und Rückkehr in die Staatengemeinschaft.


19.06.2008 | 17:49 Uhr
Oskar G. schreibt: Menschenrechte sind ein Machtverlust für die Mächtigen einer Diktatur

Demokratie ist keine einfache Staatsform, aber die Beste unter den derzeit vorhandenen. Und Menschenrechte sind ein Machtverlust für die Mächtigen einer Diktatur.
Es ist nur logisch, daß Nationen mit Demokratie und Menschenrechten (Meinungs-und
Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit und Demonstrationsrecht,...) anderen Staaten auch dazu verhelfen wollen, auch gegen den Willen der wenigen Mächtigen in einer Diktatur.
Denn Menschen wollen von Natur aus frei sein. Oder sieht das etwa jemand anders? Würde mich wundern.


19.06.2008 | 16:53 Uhr
Stellar Orienta schreibt: China zwingt kein anderes Land, sein System zu kopieren

Es ist eher umgekehrt: Es sind doch wir Europäer und die Amerikaner, die wir allen unsere Weltanschauung aufzuzwingen versuchen.



19.06.2008 | 15:34 Uhr

Thomas Steinert: Entwicklungshilfe für Peking!

Wenn es so ist, dass die Chinesen "nur ihr Recht in Anspruch nehmen", dieselben Fehler zu machen wie wir, müssen wir doch den Chinesen helfen, genau diese Fehler nicht zu wiederholen. Also sollten wir schnell unsere saubere Technologie liefern, um eine Katastrophe zu verhindern. Davon würde die ganze Welt profitieren. Und darum bleibt deutsche Entwicklungshilfe für China so wichtig!

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02.08.2008 | 01:09 Uhr
stefan man schreibt: Ganz richtig

Man mag es kaum glauben: China hat auf dem Papier mit die modernsten Umweltgesetzte der Welt. Leider werden diese noch nicht so genau umgesetzt. Aber wir sollten auch die anderen großen Schwellenländer wie Indien in die Kalkulation einbeziehen.


20.06.2008 | 00:32 Uhr
jet li schreibt: Richtig!

Das ist ein konstruktiver Lösungsansatz, bei der langfristig beide Seiten bzw. die ganze Welt profitiert. China wäre auch mehr als Bereit dafür zu zahlen. Aber es herrscht ja die Angst vor das sie dann die sauberen Systeme kopieren und im nächsten Schritt verbessern könnten und zum Konkurrenten in diesem Markt werden ;-)


19.06.2008 | 17:20 Uhr
Stellar Orienta schreibt: Bin voll deiner Meinung

Wir sitzen alle im selben Boot. Wenn in China die Umwelt zerstört wird, werden auch wir hier mit den Folgen leben müssen.



19.06.2008 | 14:34 Uhr

norbert doerre: China ist nur sozialistisches Vorbild

Es gibt für die derzeitigen Turbulenzen in Deutschland nur eine einzige Ursache: der sich von der Bevölkerung immer weiter entfremdende Staat. Er schlägt aus jedem von der statischen Ruhe abweichenden Ereignis Kapital in Form von Steuern. Er macht Menschen von sich abhängig und schürt anschließend ihre Angst, die Abhängikeit wieder zu verlieren, zu Lasten der Steuerzahler.

Unter höheren Rohstoffkosten leiden derzeit alle Länder. Dadurch wird aber noch kein Wettbewerb verzerrt. Letzteres besorgt in Deutschland die Regierung mit dem Ziel der Schaffung von Sozialabhängigen als Wähler des künftigen Sozialismus ohne Freiheit. Die Folge besteht jetzt bereits im Exodus der Wirtschaft und hunderttausender Leistungsträger, die das Machtstreben eines sozialistischen Staates nicht noch einmal erleben wollen, nachdem sie zunächst glücklich in den "Westen" geflohen oder umgezogen waren.
China hat darauf gewiß keinerlei Einfluß, es sei denn als sozialistisches Vorbild.

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19.06.2008 | 15:33 Uhr
Christoph Anschütz schreibt: Nicht der Bürger entfernt sich vom Staat

sondern genau umgekehrt. Der Bürger hat keine Lust, sich mit Politik und Wirtschaft in Parteien und Gewerkschaften abzumühen.



19.06.2008 | 14:17 Uhr

Paul Rabe: China schafft bei uns Wohlstand

Die meisten Leser werden sich diese Zeilen mit Hilfe in China gefertigter Produkte anschauen, haben dabei in China gefertigte Kleidung am Leib und bezahlen das mit Geld, welches ihr Arbeitgeber damit verdient hat, daß er Waren und Dienstleistungen auch nach China verkauft hat. China schafft bei uns großen Wohlstand.

Damit diese Entwicklung so positiv weiter gehen kann, muss der Westen viel größere Anstrengungen unternehmen, um mit den Mitteln des technischen Fortschritts den Verbrauch an natürlichen Ressourcen zu reduzieren. Nahrung aus dem Meer, Energie aus der Sonne, Rohstoffe aus Abfall etc. - das alles ist physikalisch möglich, muss aber noch großtechnisch umgesetzt werden bzw. die dafür passenden ökonomischen Rahmenbedingungen müssen gesetzt werden.

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Peter Sturm19.06.2008 | 15:22 Uhr
Peter Sturm schreibt: Alle müssen sich anstrengen

Wir müssen also Anstrengungen unternehmen, um dies und das zu tun. Okay, das tun wir aber im eigenen Interesse. Was also hat das mit China zu tun? Es bleibt die Frage, ob "wir" das Recht haben, Forderungen an China zu richten. Viele in der Politik tun ja so, als sei das so eine Art Majestätsbeleidigung.



19.06.2008 | 12:07 Uhr

Christoph Hein: Es ist verdächtig einfach, China anzuprangern

Ob Benzin teurer wird, Menschen hungern oder das Klima kollabiert: China trägt die Schuld. Was sollen wir mit diesem Land nur machen? Es ist verdächtig einfach, China anzuprangern. Dabei nehmen die Chinesen nur ihr Recht in Anspruch, dieselben Fehler zu machen, die der Westen gemacht hat und weiter macht.

Sie finden den vollen Beitrag von Christoph Hein hier:

Die Chinesen sind an allem schuld

Kommentare

19.06.2008 | 15:37 Uhr
Christoph Anschütz schreibt: So isset

Wer heute über chinesische Schuld an Spritpreisen jammert, hat seit 1973 den Kopf in den Sand gesteckt.


19.06.2008 | 15:10 Uhr
Adrian Lakatos schreibt: Die Mittelschicht wächst

Viele denken, dass China an allem schuld sei. Doch viele vergessen, dass erst jetzt hier eine wachsende Mittelschicht entsteht, die gut ausgebildet und produktiv ist und durch ihren eigenen Verdienst auch am globalen Konsum teilhaben will.

Sehen wir doch den Tatsachen ins Auge: Unverhältnismäßig war vor 20-30 Jahren, dass sich ein chinesischer, indischer, russischer, brasilianischer Ingenieur viel weniger leisten konnte als ein US- oder westeuropäischer schlecht qualifizierter Arbeiter. Die Globalisierung hat dies auch verändert und alles normalisiert.


19.06.2008 | 15:01 Uhr
Thomas Steinert schreibt: Mit Amerika ist es doch das gleiche!

Lieber Herr Hein,

es mag ja sein, daß China und die Chinesen für vieles verantwortlich gemacht werden, für das sie nichts können. Aber genau so ist es doch mit dem in Deutschland verbreiteten Anti-Amerikanismus. Reagieren die USA nicht in einer Krise (Darfur, Kosovo etc.), wirft man Ihnen Feigheit vor. Reagieren sie aber, heißt es: Sie denken nur wieder an ihre Ölreserven. Also: Kein "chinesisches" Phänomen.